Forschungsprojekt2022-09-30T08:50:14+02:00

Gemeinsam mehr erreichen

Nachhaltige Mobilität durch Sharing im Quartier

Gemeinsam mehr erreichen

Nachhaltige Mobilität durch Sharing im Quartier

Kurz erklärt

MobiQ ist ein Forschungsprojekt zum Thema nachhaltige Mobilität. In diesem Projekt arbeiten die Bürgerinnen und Bürger der Quartiere, gemeinsam und aktiv an Mobilitätslösungen, die ihren individuellen Mobilitätsbedarf decken. MobiQ unterstützt hierbei lediglich in lenkender Funktion, als Ideen- und Impulsgeber. Es sollen vor allem die Gesellschaftsgruppen eingebunden werden, die häufig ungehört und unbeachtet bleiben. Nur so kann Mobilität wirklich nachhaltig gestaltet werden.

Ausgangslage

Mobilität ist die Voraussetzung für das Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft.

Sie unterliegt heute einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der laut Winfried Kretschmann etwa für die Automobilwirtschaft „den tiefsten Umbruch ihrer Geschichte“ bedeutet.

MobiQ nimmt diesen Prozess zum Anlass, sich der Herausforderung zu stellen, dass dauerhafte Nachhaltigkeitseffekte im Verkehr nicht allein technologische und wirtschaftliche Transformationen benötigen; vielmehr sind gleichermaßen soziale Innovationen der zivilgesellschaftlichen Mobilitätskultur notwendig. Das Projekt adressiert die anstehenden sozialen und ökologischen Herausforderungen bei der Nutzung unterschiedlicher Mobilitätsformen und trägt dazu bei, nachhaltige Mobilität für breite Schichten möglich zu machen.

Ziele von MobiQ

  • Nicht für sondern mit Bürger:innen innovative und wirtschaftlich tragfähige Konzepte entwickeln.

  • Nicht für sondern mit Bürger:innen
    innovative und wirtschaftlich
    tragfähige Konzepte entwickeln.

  • Speziell dort, wo kommerzielle Sharing-Angebote bislang nicht erprobt wurden oder nicht erfolgreich waren.

  • Geteilte Mobilität kommt in Großstadtrandlagen, periurbane und ländliche Räume.

  • Geteilte Mobilität kommt in
    Großstadtrandlagen, periurbane und
    ländliche Räume.

  • Initiativen fördern für inklusive, barrierefreie und gendergerechte Mobilität.

  • Initiativen fördern für inklusive,
    barrierefreie und
    gendergerechte Mobilität.

  • Menschen werden gezielt einbezogen, die an derartigen Angeboten oft nicht teilhaben können.

  • Menschen werden gezielt einbezogen, die an derartigen Angeboten oft nicht
    teilhaben können.

  • Zum nachhaltigen Wandel der Alltagsmobilität beitragen.

  • Zum nachhaltigen Wandel der
    Alltagsmobilität beitragen.

  • Übertragbare und skalierbare Ergebnisse.

  • Übertragbare und skalierbare
    Ergebnisse.

  • Transfer in aktuelle Prozesse in Baden-Württemberg:

  • Transfer in aktuelle Prozesse in
    Baden-Württemberg
    :

  • Internationale Bauausstellung IBA 2027; Strategiedialog Automobilwirtschaft (SDA) etc.

  • Internationale Bauausstellung
    IBA 2027; Strategiedialog
    Automobilwirtschaft (SDA) etc.

  • Impulse für die zivilgesellschaftliche Gestaltung nachhaltiger Mobilität

Vorgehen:

MobiQ verfolgt einen bürgerschaftlichen und nicht-kommerziellen Ansatz und fokussiert auf die Potenziale nachbarschaftlich getragener, quartiersbezogener Mobilitätskonzepte. Es wird untersucht, wie sich soziale Netzwerke initiieren, entwickeln und fördern lassen und wie zivilgesellschaftliche Akteure in die Genese bedarfsgerechter Mobilitätskonzepte eingebunden werden können. Ergebnisse und Ideen, die im Projekt entstehen, werden breit in der Zivilgesellschaft verankert. Raumspezifische Lösungen, die an die individuellen Rahmenbedingungen und Bedürfnisse unterschiedlicher räumlicher und sozialer Kontexte (z.B. in Bezug auf sozio-ökonomische Kriterien) angepasst sind, werden vor diesem Hintergrund als Erfolgsfaktoren gesehen.

3 Reallabore:

Im Mittelpunkt stehen drei Reallabore: Stuttgart Zuffenhausen-Rot, Geislingen an der Steige und Waldburg. Dort wird erprobt, wie Bewohner:innen mit Methoden des Ko-Design und der Ko-Kreation im Quartier gemeinsam ihre Mobilität organisieren und sich so Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe erschließen können. Soziale und digitale Nachbarschaftsnetzwerke und neue Mobilitätsangebote unterstützen die Aktivitäten in den Quartieren. Ziel ist es, Mobilität in der Nachbarschaft nachhaltig, effizient und sozial innovativ zu gestalten, ohne damit den Grad der Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe zu vermindern.

Die Ausgangslagen und Herausforderungen in den drei Quartieren sind sehr verschieden:

Stuttgart Zuffenhausen-Rot ist ein Stadtteil im Bezirk Zuffenhausen, am nördlichen Stadtrand gelegen. Er ist als Großsiedlung für mehrere tausend Bewohner:innen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, insbesondere für Kriegsheimkehrer und Heimatvertriebene. Monostrukturierte Zeilenbauten und eine unausgeglichene Sozialstruktur prägen den Stadtteil ebenso, wie eine hohe Belastung durch Durchgangsverkehre und parkende Fahrzeuge.

Geislingen ist eine Mittelstadt im ökonomischen Umbruch, im Südosten der Region Stuttgart im Landkreis Göppingen gelegen. Die Stadt ist durch hohes Verkehrsaufkommen und ein negatives Pendlersaldo geprägt. Die sozio-ökonomische Situation ist durch hohe Anteile an Erwerbslosen (5,8 %), Menschen mit Migrationshintergrund und Studierenden gekennzeichnet.

Alter Bau in Geislingen

Waldburg ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und liegt im ländlichen Raum im Landkreis Ravensburg. Die Gemeinde ist durch einen hohen Motorisierungsgrad, eine starke lokale Wirtschaft sowie ein starkes Vereinsleben und Gemeinschaftsgefühl gekennzeichnet.

Verortung Reallabore

Das Projektteam

Das Team der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) bringt seine Expertise in der sozialwissenschaftlichen Mobilitätsforschung ein. Dadurch wird sichergestellt, dass die zu erarbeitenden Lösungsansätze nicht vorrangig technisch geprägt sind, sondern unmittelbar von den sozialen und kulturellen Bedürfnissen der beteiligten Menschen ausgehen. Das Team rund um den Soziologen Sven Kesselring bringt langjährige internationale Erfahrung in qualitativer und quantitativer Forschung in den Bereichen Mobilität und Nachhaltigkeit ein. Ein grundlegendes Kompendium zur sozialwissenschaftlichen Mobilitätsforschung „Handbook of Research Methods and Applications for Mobilities“ (Büscher et al. 2020) wurde gerade mit veröffentlicht. „Sharing Mobilities“ (Kesselring et al. 2020) bildet einen Forschungsschwerpunkt der Arbeit.

Das Zentrum für Nachhaltige Stadtentwicklung (ZNS) der Hochschule für Technik  Stuttgart (HFT) trägt dazu bei, dass in MobiQ auch stadtplanerische und-entwicklungsbezogene Aspekte Berücksichtigung finden. Einen besonderen Fokus legt die HFT auf die Quartiere selbst, die zugleich Lebensraum und Ausgangspunkt der Mobilität darstellen. Dadurch wird abgesichert, dass mit der Entwicklung neuer Mobilitätsformen auch die räumliche Entwicklung der Quartiere und des öffentlichen Raumes angestoßen wird. Stadtplanerin und Architektin Christina Simon-Philipp und ihre Mitarbeiter:innen können auf weitreichende Vorerfahrungen in der praxisnahen und problemorientierten Reallaborforschung zurückblicken, die einen entscheidenden Beitrag zur Sicherstellung einer hohen Methodenqualität leisten.

Mit dem Öko Institut e.V. ist ein Projektpartner, der über langjährige Erfahrung in der Analyse und Bewertung von Veränderungen im Mobilitätsverhalten sowie über technische Entwicklungen im Verkehrssektor aus ökologischen Gesichtspunkten verfügt. Das Hauptaugenmerk des Teams vom Öko Instituts liegt dabei darauf, die stattfindenden Prozesse bei der Entwicklung und Umsetzung nachbarschaftlicher Mobilitätskonzepte zu bewerten und relevante Stärken und Schwächen herauszuarbeiten. Außerdem bringen Peter Kasten und Lukas Minnich spezifische Expertise in der quantitativen und qualitativen Nachhaltigkeits- und Wirkungsbewertung mit. Diese soll in die Mobilitätskonzepte eingebracht werden, die in den Reallaboren nachbarschaftlich umgesetzt werden. Zudem wird das Team des Öko-Instituts Erfahrungen in der Begleitung und Durchführung von Reallaboren im Kontext nachbarschaftlich organisierter Mobilität sowie in der Ableitung zielgerichteter Handlungsempfehlungen an verschiedene Stakeholder-Gruppen einbringen.

Gute Beispiele

Im Bereich der zivilgesellschaftlich orientierten, nachhaltigen Mobilität tut sich etwas. Nicht nur in Deutschland, sondern auch international schließen sich aktive Anwohner*innen, Gewerbetreibende, Eigentümer*innen oder Kunst- und Kulturschaffende zusammen und setzen innovative Ideen um. Manchmal geht es dabei um kurzfristige Aktionen, manchmal um langfristig angelegte Projekte und Strukturen. Diese Ideen bringen neuen Wind in eingefahrene Mobilitätsmuster und bewegen im wahrsten Sinne des Wortes etwas.

Hier stellen wir zur Inspiration einige ausgewählte Projekte vor:

Neuigkeiten

Veröffentlichungen

Literatur

In Erwin Curdt, Horst Roselieb, Christian Wiesmüller (Eds.): Mobilität bewegt Schule: Das niedersächsische Curriculum Mobilität an schulischen und außerschulischen Lernorten. Bielefeld: Bertelsmann, S. 11–34.

Veröffentlichung im Rahmen des BMBF-Forschungsprojektes i_city, open acess verfügbar unter www.hft-stuttgart.de/forschung/icity

Pressespiegel

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