Methode

Erkundung

Ausprobieren Gruppen & Plenum 90–180 Minuten

Die Erkundung eignet sich, wenn reale Orte, Wege oder Mobilitätsangebote direkt untersucht werden sollen. Teilnehmende gehen mit vorbereiteten Beobachtungsfragen ins Quartier, sammeln Eindrücke, Fotos oder Notizen und werten diese anschließend aus. So wird Wissen an konkreten Situationen überprüft und mit eigener Erfahrung verbunden.

Papier Stifte Aufgabenblätter Pinnwände

Kurzprofil

Kategorie Ausprobieren
Format Gruppen & Plenum
Dauer 90–180 Minuten
Gruppengröße Kleingruppe: 3–6 Personen; mittlere Gruppe: 7–15 Personen; Großgruppe: bis 30 Personen

Wofür ist die Methode gut?

Eine Erkundung macht Mobilität dort sichtbar, wo sie tatsächlich stattfindet: an Haltestellen, Wegen, Kreuzungen, Plätzen, Bahnhöfen oder in einem Quartier. Die Methode hilft, Strukturen und Prozesse vor Ort ganzheitlich kennenzulernen und vorhandenes Wissen mit neuen Beobachtungen zu verbinden.

Im MobiQ-Kartendeck passt die Erkundung besonders gut, wenn Gruppen nicht nur über Mobilität sprechen, sondern reale Situationen prüfen möchten: Wie barrierefrei ist ein Weg? Wie verständlich ist eine Haltestelle? Wo entstehen Konflikte zwischen Verkehrsmitteln? Welche Orte fühlen sich sicher, angenehm oder ausschließend an?

So funktioniert die Methode

Vorbereitung
  • Wähle einen konkreten Ort, Weg oder Prozess aus, der zur Workshopfrage passt, zum Beispiel eine Haltestelle, einen Schulweg, einen Bahnhof, eine Kreuzung oder ein Quartier.
  • Formuliere Beobachtungsfragen und Arbeitsaufträge: Was soll untersucht, dokumentiert oder verglichen werden?
  • Kläre Route, Zeitrahmen, Gruppeneinteilung, Sicherheitsfragen und Material. Wenn Fotos gemacht werden, müssen Datenschutz und Persönlichkeitsrechte beachtet werden.
Durchführung
  1. Führe im Plenum kurz in Ziel, Fragestellung, Ablauf und Beobachtungsauftrag ein.
  2. Die Teilnehmenden gehen einzeln oder in Kleingruppen in den Untersuchungsraum und sammeln Eindrücke, Notizen, Skizzen, Fotos oder kurze Beobachtungen.
  3. Die Gruppen achten auf vorher definierte Aspekte, zum Beispiel Zugänglichkeit, Aufenthaltsqualität, Konflikte, Orientierung, Sicherheit, soziale Nutzung oder Anschlussmöglichkeiten.
  4. Nach der Erkundung kommen alle zurück und ordnen ihre Beobachtungen auf Pinnwand, Karte, Plakat oder Arbeitsblatt.
  5. Die Ergebnisse werden gemeinsam ausgewertet: Welche Muster sind sichtbar? Welche Probleme sind konkret belegbar? Welche Fragen oder Ideen ergeben sich daraus?
Abschluss

Schließe die Erkundung mit einer strukturierten Reflexion ab. Die Gruppe kann Beobachtungen clustern, priorisieren und in konkrete nächste Schritte übersetzen: Was sollte genauer geprüft werden? Welche Veränderung wäre sinnvoll? Wer müsste beteiligt werden? Welche Ergebnisse sollten dokumentiert oder weitergegeben werden?

Material & Raum

  • Material: Papier, Stifte, Aufgabenblätter, Pinnwände; zusätzlich hilfreich sind Klemmbretter, Kartenmaterial, Beobachtungsbogen, Smartphone oder Kamera, Timer und Klebepunkte für die Auswertung.
  • Raum: Die Methode findet teilweise draußen oder an realen Orten statt. Für Vorbereitung und Auswertung braucht es anschließend einen Raum mit Pinnwand, Tischflächen oder Kartenmaterial.
  • Digital möglich: Bedingt. Eine echte Vor-Ort-Erkundung lässt sich nicht vollständig ersetzen. Digital möglich sind vorbereitende Kartenarbeit, Fotodokumentation, gemeinsame Auswertung oder virtuelle Erkundungen mit Karten- und Bildmaterial.

Moderations­tipps

  • Der Beobachtungsauftrag muss klar genug sein, damit Gruppen nicht nur „spazieren gehen“, sondern gezielt Informationen sammeln.
  • Plane ausreichend Zeit für Vorbereitung und Nachbereitung ein. Der Methodenpool betont, dass Erkundungen Vorbereitung, Durchführung und Reflexion verbinden.
  • Achte auf Sicherheit, Zugänglichkeit und Wetter. Wege, Treffpunkte und Rückkehrzeiten sollten eindeutig vereinbart sein.
  • Nutze konkrete Beobachtungskategorien, zum Beispiel Barrierefreiheit, Konflikte, Aufenthaltsqualität, Orientierung, Sicherheit oder soziale Nutzung.
  • Verdichte die Ergebnisse sichtbar. Erst durch gemeinsame Auswertung werden einzelne Eindrücke zu belastbaren Erkenntnissen für die weitere Arbeit.

Varianten

Kurze Variante

Nutze eine kurze Mini-Erkundung im direkten Umfeld des Veranstaltungsorts. Die Gruppen beobachten 20 bis 30 Minuten lang eine konkrete Situation, zum Beispiel eine Querung, einen Haltestellenbereich oder einen Platz, und bringen drei zentrale Beobachtungen zurück.

Intensivvariante

Mehrere Gruppen erkunden unterschiedliche Orte oder dieselbe Route mit verschiedenen Perspektiven, zum Beispiel Barrierefreiheit, Sicherheit, Aufenthaltsqualität oder ÖPNV-Anbindung. Danach werden die Ergebnisse auf einer gemeinsamen Karte zusammengeführt und priorisiert.

Online-Variante

Arbeite mit Karten, Fotos, Street-View-Ansichten, Videos oder vorab gesammelten Beobachtungen. Die Teilnehmenden analysieren die Materialien digital und tragen Einschätzungen auf einem gemeinsamen Whiteboard oder einer digitalen Karte zusammen.

Mehr zur Methode

Wenn du mehr über Erkundungen als Methode zur aktiven Untersuchung realer Orte, Strukturen und Prozesse erfahren möchtest, findest du hier weiterführende Informationen: Methodenpool: Erkundung.