Methode

Rollenspiel

Ausprobieren Gruppen & Plenum 30–60 Minuten

Das Rollenspiel macht Situationen, Konflikte und Entscheidungsprozesse erfahrbar. Die Teilnehmenden übernehmen vorbereitete Rollen, spielen eine Szene durch und erleben dabei unterschiedliche Perspektiven, Interessen und Handlungsmöglichkeiten. Besonders wichtig ist die anschließende Auswertung: Erst dort werden Beobachtungen, Gefühle in der Rolle und Konsequenzen für die Praxis gemeinsam sichtbar.

Informationsmaterial Rollenbeschreibungen Requisiten

Kurzprofil

Kategorie Ausprobieren
Format Gruppen & Plenum
Dauer 30–60 Minuten
Gruppengröße Kleingruppe: 3–6 Personen; mittlere Gruppe: 7–15 Personen; Großgruppe: bis 30 Personen

Wofür ist die Methode gut?

Ein Rollenspiel eignet sich, wenn unterschiedliche Sichtweisen nicht nur besprochen, sondern praktisch nachvollzogen werden sollen. Die Methode hilft dabei, sich in andere Rollen hineinzudenken, Meinungen zu erarbeiten, Konflikte auszuprobieren, Beobachtungen zu formulieren und eigenes Handeln zu reflektieren.

Im MobiQ-Kartendeck passt das Rollenspiel besonders gut zu Situationen, in denen Mobilitätskonflikte, Beteiligungsgespräche oder kommunale Entscheidungsprozesse greifbar werden sollen. Rollen können zum Beispiel Fahrgäste, Anwohnende, Verwaltung, Politik, Verkehrsunternehmen, lokale Initiativen oder Gewerbetreibende sein.

So funktioniert die Methode

Vorbereitung
  • Wähle eine konkrete Situation oder Konfliktlage, die zur Workshopfrage passt, etwa eine Bürgerversammlung, ein Planungsgespräch oder eine Aushandlung über Verkehrsflächen.
  • Bereite Rollenbeschreibungen vor: Wer ist beteiligt, welche Interessen hat die Person oder Gruppe, welche Informationen braucht sie?
  • Lege Ablauf, Zeitrahmen, Beobachtungsaufträge und Auswertungsschritte fest. Bei unterschiedlichen Szenen sollten die Hinweise schriftlich vorliegen.
Durchführung
  1. Führe in Thema, Szene, Rollen und Regeln ein. Mache deutlich, dass nicht Schauspielkunst zählt, sondern das Durchspielen von Perspektiven.
  2. Teile Rollen zu oder lasse sie wählen. Achte darauf, dass niemand in eine Rolle gedrängt wird, mit der sich die Person sichtbar unwohl fühlt.
  3. Die Gruppen bereiten ihre Szene vor: Rollen verstehen, Interessen klären, mögliche Konfliktlinien sammeln und den Ablauf kurz proben.
  4. Die Szene wird im Plenum gespielt. Die nicht spielenden Teilnehmenden beobachten anhand vorher vereinbarter Kriterien.
  5. Nach der Szene werden Beobachtungen, Rollenerfahrungen und mögliche Konsequenzen gemeinsam ausgewertet.
Abschluss

Schließe mit einer Reflexion ab: Was wurde in den Rollen sichtbar? Welche Interessen standen im Konflikt? Welche Handlungsoptionen, Gesprächsregeln oder nächsten Schritte lassen sich daraus für die reale Situation ableiten? Auch misslungene Szenen können produktiv sein, wenn sie gemeinsam ausgewertet werden.

Material & Raum

  • Material: Informationsmaterial, Rollenbeschreibungen, Requisiten; optional Beobachtungsbogen, Timer, Namensschilder oder eine einfache Markierung für die Spielfläche.
  • Raum: Gruppenarbeitsbereiche für die Vorbereitung und eine gut sichtbare Spielfläche für die Präsentation im Plenum.
  • Digital möglich: Bedingt. Die Vorbereitung kann gut in Breakout-Räumen stattfinden; das Spielen selbst braucht klare Rollen, stabile Technik und eine sehr bewusste Moderation.

Moderations­tipps

  • Wähle Konfliktsituationen, die nah genug an der Realität sind, damit die Teilnehmenden sie gut füllen können.
  • Trenne Rolle und Person konsequent: Kritik bezieht sich auf die gespielte Situation, nicht auf die spielende Person.
  • Gib auch den Beobachtenden eine Aufgabe, damit sie während der Szene aufmerksam bleiben und gezielt Rückmeldung geben können.
  • Würdige jede Darstellung, zum Beispiel mit kurzem Applaus. Sich vor einer Gruppe in eine Rolle zu begeben, kostet Überwindung.
  • Plane die Auswertung verbindlich ein. Ohne Reflexion bleibt das Rollenspiel leicht nur eine unterhaltsame Szene; mit Auswertung wird es zu einer Lern- und Erkenntnismethode.

Varianten

Kurze Variante

Nutze ein spontanes Mini-Rollenspiel mit wenigen Rollen und einer bekannten Alltagssituation. Die Szene wird ohne lange Vorbereitung gespielt und danach direkt anhand einer Leitfrage ausgewertet.

Intensivvariante

Arbeite mit gelenkten Rollen, ausführlichen Rollenprofilen und mehreren Szenen. Unterschiedliche Gruppen können verschiedene Konfliktlagen bearbeiten und anschließend vergleichen, welche Interessen, Muster und Lösungsmöglichkeiten sichtbar wurden.

Online-Variante

Verteile Rollenbeschreibungen digital und nutze Breakout-Räume für die Vorbereitung. Die Szene wird im Hauptraum gespielt; Beobachtende nutzen einen kurzen Beobachtungsauftrag im Chat oder auf einem gemeinsamen Dokument.

Mehr zur Methode

Wenn du mehr über Rollenspiele erfahren möchtest oder Hinweise zu Vorbereitung, Durchführung, Differenzierung und Auswertung suchst, findest du hier weiterführende Informationen: Methodenkartei: Rollenspiele.