Kapitel 1

Nachbarschaft
kennenlernen

Um Mobilitätsprojekte planen und umsetzen zu können, sollte man die Nachbarschaft zunächst gut kennenlernen. Nur so lassen sich Lösungen finden, die für die Situation vor Ort und die Bedürfnisse der Menschen in der Nachbarschaft passen. Du solltest verstehen, wie sich dein Quartier räumlich unterteilt, wo welche Einrichtungen liegen und wie Freiflächen, Gebäude und Straßen gestaltet sind. Welche Bedeutung haben diese Eigenschaften des Quartiers für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt? Ziel ist es, die Vorzüge und Mängel des jeweiligen Ortes sichtbar zu machen. So werden Chancen und Risiken identifizierbar.

Kapitel 1

Nachbarschaft kennenlernen

Um Mobilitätsprojekte planen und umsetzen zu können, sollte man die Nachbarschaft zunächst gut kennenlernen. Nur so lassen sich Lösungen finden, die für die Situation vor Ort und die Bedürfnisse der Menschen in der Nachbarschaft passen. Du solltest verstehen, wie sich dein Quartier räumlich unterteilt, wo welche Einrichtungen liegen und wie Freiflächen, Gebäude und Straßen gestaltet sind. Welche Bedeutung haben diese Eigenschaften des Quartiers für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt? Ziel ist es, die Vorzüge und Mängel des jeweiligen Ortes sichtbar zu machen. So werden Chancen und Risiken identifizierbar.

A. Auf Spurensuche

A. Auf Spurensuche

Das Projekt MobiQ fand an drei sehr unterschiedlichen Orten in Baden-Württemberg statt: in einer Gemeinde im ländlichen Raum, einer Mittelstadt und einer Großstadt. Es war sehr wichtig, die Orte zu Beginn genauer unter die Lupe zu nehmen. Da die Ausgangssituationen unterschiedlich waren, entwickelten sich im Verlauf des Projekts verschiedene Mobilitätskonzepte. Um die Standorte des Projekts MobiQ besser kennenzulernen, haben wir uns intensiv mit ihnen beschäftigt, mit vielen Menschen gesprochen, zugehört, nachgefragt und versucht zu verstehen, was die Menschen begeistert, was sie stört und warum sie sich mit welchen Verkehrsmitteln bewegen. Wir haben viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt, waren mit dem Fahrrad in der Nachbarschaft unterwegs, haben mit Anwohner:innen Kaffee und Tee getrunken. Dabei hörten wir viele Geschichten und lernten spannende Menschen kennen. Mit manchen von ihnen arbeiten wir seitdem zusammen und gemeinsam haben wir einiges auf die Beine gestellt. Kurzum: Heute kennen wir Waldburg, Stuttgart-Rot und Geislingen ziemlich gut. Was wir in dieser Zeit herausfanden, haben wir zusammengetragen und festgehalten: mit Fotos, als kleine Geschichten und in Form von Interviews. Dabei entstanden richtige „Schatzkarten“, die eine ganze Menge über die Orte verraten, um die es hier geht.

Da gibt es ja dann keine
Gehwege mehr, da sind
noch die Landstraßen und
die laufen alle an den
Landstraßen. Da fahren
Autos vorbei und das ist
gefährlich.“

Besonders wichtig war es, die bestehende Verkehrssituation zu analysieren. Deshalb haben wir die unterschiedlichen Straßenarten, Rad- und Fußwege sowie Angebote des öffentlichen Nahverkehrs untersucht. Wir erfassten außerdem viele weitere Merkmale der Reallabor-Standorte: die Beschaffenheit des Geländes, Grünanlagen, Wälder, Seen, Flüsse oder Bäche und ebenso die Nutzung der Gebäude. Wichtig waren auch unsere subjektiven Eindrücke. Es war interessant, unterschiedliche Atmosphären, Geräuschkulissen, Gerüche und Empfindungen bei den Erkundungstouren festzuhalten. Folgende Fragen beschäftigten uns dabei: Welche Personen sind unterwegs und wie bewegen sie sich fort? Welche Aktivitäten finden im öffentlichen Raum statt und wie lange? Wie viele Autos, Fahrräder und andere Fahrzeuge befinden sich wo und wie lange? Welche Besonderheiten oder Konflikte gibt es? Welche Orte und Situationen stellen Barrieren für Menschen mit Einschränkungen dar? Es ist auch wichtig zu wissen, welche Menschen in der Nachbarschaft leben und wie die wirtschaftlichen Gegebenheiten sind. In der Gemeindeverwaltung oder bei den Statistischen Landesämtern gibt es in der Regel Daten zur Familien- und Altersstruktur, zur Migration, zum Wanderungssaldo (= Zuzüge und Wegzüge), zu Wohnformen und Haushaltsgrößen.

Besonders wichtig war es, die bestehende Verkehrssituation zu analysieren. Deshalb haben wir die unterschiedlichen Straßenarten, Rad- und Fußwege sowie Angebote des öffentlichen Nahverkehrs untersucht. Wir erfassten außerdem viele weitere Merkmale der Reallabor-Standorte: die Beschaffenheit des Geländes, Grünanlagen, Wälder, Seen, Flüsse oder Bäche und ebenso die Nutzung der Gebäude. Wichtig waren auch unsere subjektiven Eindrücke. Es war interessant, unterschiedliche Atmosphären, Geräuschkulissen, Gerüche und Empfindungen bei den Erkundungstouren festzuhalten. Folgende Fragen beschäftigten uns dabei: Welche Personen sind unterwegs und wie bewegen sie sich fort? Welche Aktivitäten finden im öffentlichen Raum statt und wie lange? Wie viele Autos, Fahrräder und andere Fahrzeuge befinden sich wo und wie lange? Welche Besonderheiten oder Konflikte gibt es? Welche Orte und Situationen stellen Barrieren für Menschen mit Einschränkungen dar? Es ist auch wichtig zu wissen, welche Menschen in der Nachbarschaft leben und wie die wirtschaftlichen Gegebenheiten sind. In der Gemeindeverwaltung oder bei den Statistischen Landesämtern gibt es in der Regel Daten zur Familien- und Altersstruktur, zur Migration, zum Wanderungssaldo (= Zuzüge und Wegzüge), zu Wohnformen und Haushaltsgrößen.

Analysekategorien Nachbarschaft

Analysekategorien Nachbarschaft

Die folgenden Analysekategorien sollen dir helfen, die richtigen Fragen zu stellen und alle wichtigen Aspekte zu berücksichtigen.

  • Wie sieht der Ort / die Nachbarschaft aus und welche Atmosphäre herrscht dort? (Was für Eindrücke gibt es, was fällt besonders auf?)
  • Wie ist die Struktur der Gebäude? Sind sie ähnlich oder unterschiedlich? Wie dicht stehen sie?
  • Was für Gebäude gibt es? (z. B. Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser, einzelne Häuser, große Geschäftsgebäude)
  • Gibt es besondere Bauwerke in der Stadt? (z. B. Stadtmauern, Türme, Kirchen, Theater, Rathäuser, Märkte)
  • Wofür werden die Gebäude genutzt? (z. B. Wohnungen, Schulen, Fabriken, Geschäfte, Supermärkte, Restaurants, Kulturzentren, Freizeitaktivitäten, Arztpraxen – besonders wichtig ist, was im Erdgeschoss oder auf Straßenebene passiert)
  • Gibt es Pläne für neue Gebäude oder Entwicklungsprojekte?
  • Wie ist das Gelände beschaffen und gestaltet? (z. B. hügelig, flach, gut erschlossen)
  • Welche Arten von Freiflächen gibt es? (z. B. private Gärten, öffentliche Plätze, Spielplätze, Streuobstwiesen)
  • Wie werden die Flächen genutzt und von wem?
  • Wie ist dort die Qualität des Aufenthalts?
  • Welche Wege und Verbindungen gibt es? (z. B. Sichtachsen, Gehwege)
  • Gibt es Hindernisse wie Zäune, Bahngleise oder breite Straßen?
  • Wie gut sind verschiedene Ziele erreichbar? (z. B. die Fahrzeit von A nach B beträgt 15 Minuten mit dem Auto und 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln)
  • Welche Verkehrsmittel stehen zur Verfügung? (z. B. öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder, Carsharing, E-Scooter)
  • Welche Arten von Straßen gibt es? (z. B. Hauptstraßen, Nebenstraßen, verkehrsberuhigte Bereiche, Fußgängerzonen, Fahrradwege)
  • Wie stark ist das Verkehrsaufkommen?
  • Wie ist der Raum auf den Straßen aufgeteilt? (z. B. wie viel Platz ist für Autos, Fahrräder und Fußgänger:innen vorgesehen?)
  • Wie bewegen sich die Menschen fort?
  • Wie viele Autos gibt es pro Haushalt?
  • Wie viele Kraftfahrzeuge sind zugelassen und wie haben sich die Zulassungen entwickelt?
  • Wie viele Menschen pendeln und hat sich das Pendelverhalten verändert?
  • Wie viel Platz wird für das Parken benötigt? (z. B. Parkplätze, Parkhäuser, Straßenränder)
  • Wie hat sich die Bevölkerungszahl entwickelt und wie ist sie aktuell?
  • Wie lange wohnen die Menschen schon dort?
  • Wie hat sich die Anzahl der Zuzüge im Vergleich zu den Wegzügen entwickelt?
  • Wie ist die Altersstruktur und wie hat sie sich verändert?
  • Wie viele Menschen haben einen Migrationshintergrund und wie hat sich das verändert?
  • Welche Familienstrukturen gibt es und wie haben sie sich entwickelt?
  • In welchen Wohnformen leben die Menschen? (z. B. allein, mit Familie, in Wohngemeinschaften usw.)
  • Wie hat sich die Miet- und Eigentumssituation verändert?
  • Wie ist die Bildungsstruktur und wie hat sie sich entwickelt?
  • Wie hoch sind die durchschnittlichen Einkommen und wie haben sie sich verändert?
  • Wie ist die Arbeitslosenquote und wie hat sie sich entwickelt?
  • Welche Arten von Unternehmen gibt es und wie sind sie im Raum verteilt?
  • Wie hoch ist der Anteil an belegten und leerstehenden Wohn- und Gewerbeflächen?

Geschichte des Ortes

Bauliche Kriterien

  • Wie sieht der Ort / die Nachbarschaft aus und welche Atmosphäre herrscht dort? (Was für Eindrücke gibt es, was fällt besonders auf?)
  • Wie ist die Struktur der Gebäude? Sind sie ähnlich oder unterschiedlich? Wie dicht stehen sie?
  • Was für Gebäude gibt es? (z. B. Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser, einzelne Häuser, große Geschäftsgebäude)
  • Gibt es besondere Bauwerke in der Stadt? (z. B. Stadtmauern, Türme, Kirchen, Theater, Rathäuser, Märkte)
  • Wofür werden die Gebäude genutzt? (z. B. Wohnungen, Schulen, Fabriken, Geschäfte, Supermärkte, Restaurants, Kulturzentren, Freizeitaktivitäten, Arztpraxen – besonders wichtig ist, was im Erdgeschoss oder auf Straßenebene passiert)
  • Gibt es Pläne für neue Gebäude oder Entwicklungsprojekte?

Freiräume

  • Wie ist das Gelände beschaffen und gestaltet? (z. B. hügelig, flach, gut erschlossen)
  • Welche Arten von Freiflächen gibt es? (z. B. private Gärten, öffentliche Plätze, Spielplätze, Streuobstwiesen)
  • Wie werden die Flächen genutzt und von wem?
  • Wie ist dort die Qualität des Aufenthalts?
  • Welche Wege und Verbindungen gibt es? (z. B. Sichtachsen, Gehwege)
  • Gibt es Hindernisse wie Zäune, Bahngleise oder breite Straßen?

Mobilitätskriterien

  • Wie gut sind verschiedene Ziele erreichbar? (z. B. die Fahrzeit von A nach B beträgt 15 Minuten mit dem Auto und 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln)
  • Welche Verkehrsmittel stehen zur Verfügung? (z. B. öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder, Carsharing, E-Scooter)
  • Welche Arten von Straßen gibt es? (z. B. Hauptstraßen, Nebenstraßen, verkehrsberuhigte Bereiche, Fußgängerzonen, Fahrradwege)
  • Wie stark ist das Verkehrsaufkommen?
  • Wie ist der Raum auf den Straßen aufgeteilt? (z. B. wie viel Platz ist für Autos, Fahrräder und Fußgänger:innen vorgesehen?)
  • Wie bewegen sich die Menschen fort?
  • Wie viele Autos gibt es pro Haushalt?
  • Wie viele Kraftfahrzeuge sind zugelassen und wie haben sich die Zulassungen entwickelt?
  • Wie viele Menschen pendeln und hat sich das Pendelverhalten verändert?
  • Wie viel Platz wird für das Parken benötigt? (z. B. Parkplätze, Parkhäuser, Straßenränder)

Bevölkerung und Wirtschaftslage

  • Wie hat sich die Bevölkerungszahl entwickelt und wie ist sie aktuell?
  • Wie lange wohnen die Menschen schon dort?
  • Wie hat sich die Anzahl der Zuzüge im Vergleich zu den Wegzügen entwickelt?
  • Wie ist die Altersstruktur und wie hat sie sich verändert?
  • Wie viele Menschen haben einen Migrationshintergrund und wie hat sich das verändert?
  • Welche Familienstrukturen gibt es und wie haben sie sich entwickelt?
  • In welchen Wohnformen leben die Menschen? (z. B. allein, mit Familie, in Wohngemeinschaften usw.)
  • Wie hat sich die Miet- und Eigentumssituation verändert?
  • Wie ist die Bildungsstruktur und wie hat sie sich entwickelt?
  • Wie hoch sind die durchschnittlichen Einkommen und wie haben sie sich verändert?
  • Wie ist die Arbeitslosenquote und wie hat sie sich entwickelt?
  • Welche Arten von Unternehmen gibt es und wie sind sie im Raum verteilt?
  • Wie hoch ist der Anteil an belegten und leerstehenden Wohn- und Gewerbeflächen?

B. Schatzkarte der Entdeckungen

B. Schatzkarte der Entdeckungen

Fasse alle gefundenen und wahrgenommenen Ergebnisse auf der „Schatzkarte“ zusammen. Anschließend gilt es, diese Fakten zu bewerten und einzuordnen, um Stärken und Schwächen der Nachbarschaft aufzudecken. So ist es dir möglich, beispielsweise Lücken beim Mobilitätsangebot, bei Sicherheit oder Versorgung festzustellen. Darüber hinaus kannst du dir ein Bild davon machen, wie sich die Wahl eines Verkehrsmittels für eine bestimmte Strecke auf die Reisedauer und die Reisekosten niederschlägt.

Wir geben dir hier einige Beispiele:

  • Es gibt viele Schulen und soziale Einrichtungen. Bäckereien, Poststellen, Banken und Lebensmittelläden sind für die Bewohner:innen allerdings nicht zu Fuß erreichbar, weshalb sie auf das Auto angewiesen sind.
  • Obwohl es ein gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) und eine Ausleihstation für Carsharing-Fahrzeuge gibt, ist in den vergangenen Jahren die Anzahl privater Pkws im Quartier gewachsen. Das kann daran liegen, dass das ÖPNV-Angebot durch Bus und Bahn zwar sehr vielseitig ist, einige Bereiche im Stadt- oder Ortsteil aber nicht gut angebunden sind. Manche Bewohner:innen müssen recht weit zur nächsten Haltestelle laufen und nehmen daher lieber das Auto.
  • Besonders auffällig ist, wie viel Fläche parkende Autos entlang der Straßen einnehmen. Autofahrer:innen haben oft Schwierigkeiten, einen Parkplatz im Quartier zu finden. Viele möchten das Auto gerne in unmittelbarer Nähe zur Wohnung abstellen, weshalb sie es oftmals auf dem Gehweg, in Kreuzungen oder vor Einfahrten parken.
  • Fahrradwege enden abrupt auf Hauptverkehrsstraßen oder gehen unmittelbar in Fußwege über. Die Gehwege entlang der Fahrbahnen sind oft nicht einladend  gestaltet und zudem durch parkende Fahrzeuge verengt.
  • Es gibt viele Schulen und soziale Einrichtungen. Bäckereien, Poststellen, Banken und Lebensmittelläden sind für die Bewohner:innen allerdings nicht zu Fuß erreichbar, weshalb sie auf das Auto angewiesen sind.
  • Obwohl es ein gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) und eine Ausleihstation für Carsharing-Fahrzeuge gibt, ist in den vergangenen Jahren die Anzahl privater Pkws im Quartier gewachsen. Das kann daran liegen, dass das ÖPNV-Angebot durch Bus und Bahn zwar sehr vielseitig ist, einige Bereiche im Stadt- oder Ortsteil aber nicht gut angebunden sind. Manche Bewohner:innen müssen recht weit zur nächsten Haltestelle laufen und nehmen daher lieber das Auto.
  • Besonders auffällig ist, wie viel Fläche parkende Autos entlang der Straßen einnehmen. Autofahrer:innen haben oft Schwierigkeiten, einen Parkplatz im Quartier zu finden. Viele möchten das Auto gerne in unmittelbarer Nähe zur Wohnung abstellen, weshalb sie es oftmals auf dem Gehweg, in Kreuzungen oder vor Einfahrten parken.
  • Fahrradwege enden abrupt auf Hauptverkehrsstraßen oder gehen unmittelbar in Fußwege über. Die Gehwege entlang der Fahrbahnen sind oft nicht einladend  gestaltet und zudem durch parkende Fahrzeuge verengt.

Also diese Straße mit
dem Fahrrad hochfahren,
wo diese siebzig
Zentimeter Fahrradweg
eingezeichnet sind und
dann donnert der Lkw mit
Hänger an mir vorbei,
das fahre ich einfach
nicht. Ich habe es
probiert, aber nein.“

C. Kennenlernen leicht gemacht

C. Kennenlernen leicht gemacht

Du kannst die Nachbarschaft genauer unter die Lupe nehmen, ohne komplizierte Computerprogramme oder „professionelle“ Materialien nutzen zu müssen. Zunächst reichen ein Stift, ein Handy oder eine Kamera und ein Plan (Lageplan, Stadtplan, GoogleLuftbild) des jeweiligen Gebietes aus. Pläne kannst du entweder beim Rathaus anfragen oder im Internet herunterladen. Gute Quellen sind z. B. openstreetmap.de oder google.de/maps. Ausführliche Daten zur Bevölkerung und Wirtschaft findest du auf den interaktiven Portalen der Statistischen Landesämter (für Baden-Württemberg: statistik-bw.de). Um die Vielfalt der Nachbarschaft zu erfassen und Aspekte aus verschiedenen Perspektiven berücksichtigen zu können, bietet sich ein Mix aus unterschiedlichen Herangehensweisen an:

Diese Methode ermöglicht einen guten Überblick über das Untersuchungsgebiet. Sie gibt Aufschluss darüber, wie der öffentliche Raum genutzt wird und wie intensiv die Nutzung ist. Gut ist es, die Beobachtungen zu unterschiedlichen Tages-, Woch en- und Jahreszeiten vorzunehmen. So ist es möglich, eventuelle Veränderungen von Nutzungsmustern zu erkennen. Aktivitäten, Stimmungen und das Geschehen vor Ort solltest du möglichst detailliert beschreiben.

Die Haldenrainstraße verläuft in Ost-West-Richtung durch das Quartier und wird von der Stadtbahnlinie U7 flankiert.

Eine weitverbreitete Methode, um mehr über einen Ort zu erfahren, ist das Zählen. Grundsätzlich ist alles zählbar, was Zahlen liefert (z. B. Personen, Autos oder Fahrräder). Dadurch kannst du zum Beispiel Vergleiche zwischen Vorher und Nachher, verschiedenen geografischen Gebieten oder über die Zeit hinweg herstellen.

Beim Kartieren hältst du auf einem Plan fest, was in der Nachbarschaft aktuell geschieht und was du wahrnimmst. Dabei kannst du verschiedene Elemente wie Aktivitäten, Personen, Aufenthaltsorte und vieles mehr mit Symbolen darstellen. Die Symbole dienen dazu, die Art und Anzahl der Aktivitäten sowie den Ort, an dem sie stattfinden, zu kennzeichnen.

Die Methode der Mental Maps bietet einen faszinierenden Einblick in die Art und Weise, wie Menschen Räume erleben und nutzen. Hierfür zeichnest du eine Karte von den Orten und Wegen in deiner Nachbarschaft, die du in der Vergangenheit besucht hast. Dabei geht es nicht um eine perfekte Darstellung, sondern vielmehr darum, deine persönliche Wahrnehmung und Erinnerung an diese Orte einzufangen. Größenverhältnisse, Raumbeziehungen und Eindrücke sind dabei besonders interessant.

Die Mental Map der Fleiner Straße in Stuttgart Rot hält die Eindrücke fest, die während eines Besuchs besonders im Gedächtnis geblieben sind. HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Lara Joséphine Barnic; David Maihöfer; Steve Oberst Bearbeitung: Pauline PhilippDie Mental Map der Fleiner Straße in Stuttgart Rot hält die Eindrücke fest, die während eines Besuchs besonders im Gedächtnis geblieben sind. HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Lara Joséphine Barnic; David Maihöfer; Steve Oberst Bearbeitung: Pauline Philipp

Um verschiedene Personengruppen und ihre unterschiedlichen Perspektiven in deinen Untersuchungen zu berücksichtigen, kannst du die bereits beschriebenen Methoden durch Testspaziergänge ergänzen. Wenn du die Nachbarschaft mit Bewohner:innen, Gewerbetreibenden, Politiker:in nen sowie Vertreter:innen von Verbänden und Vereinen gemeinsam erlebst, bringt dies Erkenntnisse über deren Wahrnehmung, ihre spezifischen Bedürfnisse, Lebenssituationen und Anforderungen an die Mobilität eines Ortes.

Die topografischen Besonderheiten von Geislingen sind durch seine Lage im Tal am Rand der Schwäbischen Alb geprägt und stellen für Manchen ein Hindernis dar. Foto: Julian Bansen

Fotos und Videos spielen eine wichtige Rolle bei Studien über ein Quartier und das öffentliche Leben, das darin stattfindet. Du kannst Momentaufnahmen machen und dadurch Situationen und Atmosphären festhalten. Ein Tagebuch kann dir helfen, wichtige Informationen und Details über das Zusammenspiel von Menschen und ihrer Umgebung zu dokumentieren.

Mittels einer Fotodokumentation konnten Aktivitäten, Stimmungen und Ereignisse in der Fleiner Straße zu unterschiedlichen Tageszeiten erfasst und Veränderungen festgestellt werden.
HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Miriam Marx; Carlotta Stuible; Sophia Olivia Wolf

Du kannst die Nachbarschaft genauer unter die Lupe nehmen, ohne komplizierte Computerprogramme oder „professionelle“ Materialien nutzen zu müssen. Zunächst reichen ein Stift, ein Handy oder eine Kamera und ein Plan (Lageplan, Stadtplan, GoogleLuftbild) des jeweiligen Gebietes aus. Pläne kannst du entweder beim Rathaus anfragen oder im Internet herunterladen. Gute Quellen sind z. B. openstreetmap.de oder google.de/maps. Ausführliche Daten zur Bevölkerung und Wirtschaft findest du auf den interaktiven Portalen der Statistischen Landesämter (für Baden-Württemberg: statistik-bw.de). Um die Vielfalt der Nachbarschaft zu erfassen und Aspekte aus verschiedenen Perspektiven berücksichtigen zu können, bietet sich ein Mix aus unterschiedlichen Herangehensweisen an:

Beobachten
Diese Methode ermöglicht einen guten Überblick über das Untersuchungsgebiet. Sie gibt Aufschluss darüber, wie der öffentliche Raum genutzt wird und wie intensiv die Nutzung ist. Gut ist es, die Beobachtungen zu unterschiedlichen Tages-, Woch en- und Jahreszeiten vorzunehmen. So ist es möglich, eventuelle Veränderungen von Nutzungsmustern zu erkennen. Aktivitäten, Stimmungen und das Geschehen vor Ort solltest du möglichst detailliert beschreiben.

Zählen
Eine weitverbreitete Methode, um mehr über einen Ort zu erfahren, ist das Zählen. Grundsätzlich ist alles zählbar, was Zahlen liefert (z. B. Personen, Autos oder Fahrräder). Dadurch kannst du zum Beispiel Vergleiche zwischen Vorher und Nachher, verschiedenen geografischen Gebieten oder über die Zeit hinweg herstellen.

Kartieren
Beim Kartieren hältst du auf einem Plan fest, was in der Nachbarschaft aktuell geschieht und was du wahrnimmst. Dabei kannst du verschiedene Elemente wie Aktivitäten, Personen, Aufenthaltsorte und vieles mehr mit Symbolen darstellen. Die Symbole dienen dazu, die Art und Anzahl der Aktivitäten sowie den Ort, an dem sie stattfinden, zu kennzeichnen.

Erinnern
Die Methode der Mental Maps bietet einen faszinierenden Einblick in die Art und Weise, wie Menschen Räume erleben und nutzen. Hierfür zeichnest du eine Karte von den Orten und Wegen in deiner Nachbarschaft, die du in der Vergangenheit besucht hast. Dabei geht es nicht um eine perfekte Darstellung, sondern vielmehr darum, deine persönliche Wahrnehmung und Erinnerung an diese Orte einzufangen. Größenverhältnisse, Raumbeziehungen und Eindrücke sind dabei besonders interessant.

Testen
Um verschiedene Personengruppen und ihre unterschiedlichen Perspektiven in deinen Untersuchungen zu berücksichtigen, kannst du die bereits beschriebenen Methoden durch Testspaziergänge ergänzen. Wenn du die Nachbarschaft mit Bewohner:innen, Gewerbetreibenden, Politiker:in nen sowie Vertreter:innen von Verbänden und Vereinen gemeinsam erlebst, bringt dies Erkenntnisse über deren Wahrnehmung, ihre spezifischen Bedürfnisse, Lebenssituationen und Anforderungen an die Mobilität eines Ortes.

Festhalten
Fotos und Videos spielen eine wichtige Rolle bei Studien über ein Quartier und das öffentliche Leben, das darin stattfindet. Du kannst Momentaufnahmen machen und dadurch Situationen und Atmosphären festhalten. Ein Tagebuch kann dir helfen, wichtige Informationen und Details über das Zusammenspiel von Menschen und ihrer Umgebung zu dokumentieren.

Wenn du auf diese Weise die Eigenschaften deines Quartiers erfasst und analysierst, dann ist es ganz normal und zulässig, dass du eigene Schwerpunkte setzt und subjektiv interpretierst. Trotzdem solltest du möglichst allgemeingültige Herausforderungen identifizieren und daraus den Handlungsbedarf für die Nachbarschaft ableiten.

Wenn du auf diese Weise die Eigenschaften deines Quartiers erfasst und analysierst, dann ist es ganz normal und zulässig, dass du eigene Schwerpunkte setzt und subjektiv interpretierst. Trotzdem solltest du möglichst allgemeingültige Herausforderungen identifizieren und daraus den Handlungsbedarf für die Nachbarschaft ableiten.

Die Stadtbahnlinie U7 verläuft parallel zur Haldenrainstraße zentral durch Stuttgart-Rot. Foto: Barbara Hefner

Die Mental Map der Fleiner Straße in Stuttgart Rot hält die Eindrücke fest, die während eines Besuchs besonders im Gedächtnis geblieben sind. HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Lara Joséphine Barnic; David Maihöfer; Steve Oberst Bearbeitung: Pauline Philipp

Die Mental Map der Fleiner Straße in Stuttgart Rot hält die Eindrücke fest, die während eines Besuchs besonders im Gedächtnis geblieben sind. HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Lara Joséphine Barnic; David Maihöfer; Steve Oberst Bearbeitung: Pauline Philipp

Die topografischen Besonderheiten von Geislingen sind durch seine Lage im Tal am Rand der Schwäbischen Alb geprägt. Foto: Julian Bansen

Mittels einer Fotodokumentation konnten Aktivitäten, Stimmungen und Ereignisse in der Fleiner Straße zu unterschiedlichen Tageszeiten erfasst und Veränderungen festgestellt werden.
HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Miriam Marx; Carlotta Stuible; Sophia Olivia Wolf

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

Um die Nachbarschaft gut kennenzulernen, benötigst du aktuelle Karten- und Datengrundlagen. Hier kommt der Stadt oder Gemeinde eine Schlüsselrolle zu. Sie stellt Online-Karten oder gedruckte Pläne zur Verfügung. Ein interaktiver, digitaler Stadt- oder Gemeindeplan verschafft dir einen Überblick über den jeweiligen Ort. Neben digitalen Karten sind auch gedruckte Pläne in verschiedenen Maßstäben und zu unterschiedlichen Themen eine große Hilfe. Das können beispielsweise Stadtpläne, Fahrradkarten und Freizeitkarten sein. Daten und Fakten zur demografischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Situation des Ortes ermöglichen kleinräumige Analysen, etwa wie sich die Bevölkerung nach Alter, Nationalität und Familienstand zusammensetzt. Auch die natürliche Bevölkerungs- und Wanderungsentwicklung ist interessant. Im Sinne der Chancengleichheit ist es wichtig, dass alle Bürger:innen die beschriebenen Materialien und Daten kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen.