Kapitel 2

Probleme erkennen

Im Schritt 1 haben wir eine „Schatzkarte“ erstellt und so die Nachbarschaft beschrieben. Damit konnten wir die räumlichen Vorzüge, aber auch die Mängel des jeweiligen Ortes sichtbar machen. In diesem Schritt siehst du, welche Schlüsse wir aus den Ergebnissen dieser Bestandsaufnahme gezogen haben und wie man so die Mobilitätsprobleme vor Ort erkennen kann. Wir zeigen auch, wie im Gespräch mit anderen klar werden kann, wo genau die Probleme liegen und wie man sie einfach und klar benennen kann. Denn wenn man etwas verändern will, braucht es Projekte, die dort ansetzen, wo im Quartier tatsächlich der Schuh drückt.

Kapitel 2

Probleme erkennen

Im Schritt 1 haben wir eine „Schatzkarte“ erstellt und so die Nachbarschaft beschrieben. Damit konnten wir die räumlichen Vorzüge, aber auch die Mängel des jeweiligen Ortes sichtbar machen. In diesem Schritt siehst du, welche Schlüsse wir aus den Ergebnissen dieser Bestandsaufnahme gezogen haben und wie man so die Mobilitätsprobleme vor Ort erkennen kann. Wir zeigen auch, wie im Gespräch mit anderen klar werden kann, wo genau die Probleme liegen und wie man sie einfach und klar benennen kann. Denn wenn man etwas verändern will, braucht es Projekte, die dort ansetzen, wo im Quartier tatsächlich der Schuh drückt.

A. Wo der Schuh wirklich drückt

A. Wo der Schuh wirklich drückt

Unsere „Schatzkarten“ (siehe Schritt 1 ) waren enorm hilfreich. Sie bilden die Situation in den Quartieren so ab, wie wir sie zum Beginn des Projekts vorfanden. Ein paar Beispiele aus Stuttgart-Rot verdeutlichen das sehr gut:

Bei unseren Besuchen vor Ort stellten wir fest, dass sehr viele Autos auf den Straßen abgestellt wurden, viele davon im Parkverbot. Das macht es oft gefährlich, sich dort zu Fuß fortzubewegen und der öffentliche Raum wird von den Menschen als „autodominiert“ wahrgenommen. Expert:innen sprechen in diesem Fall von einem „hohen Parkdruck“. Genau das ist in Stuttgart-Rot der Fall. Als der neue Stadtteil in den 1950er- bis 1960er-Jahren entstanden ist, besaßen nur wenige Menschen ein Auto. Die Wohngebäude wurden daher meist nicht mit Parkraum ausgestattet, Parkplätze wurden hauptsächlich auf den Straßen zur Verfügung  gestellt.

Wir alten Leute fühlen
uns hier einfach
abgehängt – wie auf dem
Abstellgleis!“

Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass Stuttgart-Rot über ein breites Angebot an Schulen und sozialen Einrichtungen verfügt. Nahversorgung, also Einrichtungen des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Bäckereien, Poststellen, Banken oder Apotheken, gibt es jedoch nur vereinzelt. Die Statistik belegt, dass in diesem Stadtteil viele ältere Menschen leben. Nicht nur für sie ist es aber wichtig, diese Einrichtungen sowie Bus- oder U-Bahn-Haltestellen fußläufig gut erreichen zu können. Da Mobilität sehr vielschichtig ist, sind solche Aussagen über Ursache- und Wirkungsbeziehungen manchmal gar nicht so einfach. Um zu verstehen, „wo der Schuhdrückt“, muss man vor allem gut zuhören können. Denn die wirklichen Expert:innen für die Mobilität vor Ort sind die Menschen, die im Quartier leben und die Situation aus eigener Erfahrung kennen. Wenn Wissenschaftler:innen und Menschen aus der Nachbarschaft in einem Projekt wie MobiQ zusammenarbeiten, müssen sie sich zuerst ein gemeinsames Verständnis erarbeiten. Wir haben deshalb viele Interviews mit Einwohner:innen geführt. So konnten wir einen guten Eindruck von der Wirklichkeit und vom Leben in der Nachbarschaft gewinnen. Mit den Informationen aus den Interviews konnten wir sogenannte „egozentrierte Netzwerkkarten“ ausfüllen. Darin trugen wir wichtige Orte und Personen ein. Dieses Verfahren nutzten wir, um zu verstehen, wie unsere drei Orte – Stuttgart-Rot, Geislingen und Waldburg – sozial funktionieren und was das soziale Leben vor Ort ausmacht, wie der Alltag der Menschen aussieht. Wir nennen das die „sozialen Landkarten“. In der Mitte steht immer die befragte Person. Meist in Kreisform angeordnet, trägt sie wichtige Menschen oder Orte in ihrem Leben ein. Die Entfernung zum Mittelpunkt drückt dabei aus, wie stark die Akteur:innen zueinander in einer Beziehung stehen. Zusätzlich wurden geografische Netzwerkkarten ausgefüllt. Sie zeigen, welche Orte wichtig für die Menschen sind. Bürger:innen haben darin beispielsweise eingetragen, wohin sie zur Arbeit müssen, wo die Eltern, der beste Freund, die Lebenspartnerin wohnt oder wohin sie jede Woche zum Sport gehen. Im Ergebnis konnten wir so genau verstehen, zu welchen Zwecken die Bewohner:innen unterwegs sind und was sie in ihrem Alltag leisten und erledigen müssen. Wissenschaftlich nennt man das die „individuellen Mobilitätskonstruktionen und -praktiken“ der Menschen.

Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass Stuttgart-Rot über ein breites Angebot an Schulen und sozialen Einrichtungen verfügt. Nahversorgung, also Einrichtungen des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Bäckereien, Poststellen, Banken oder Apotheken, gibt es jedoch nur vereinzelt. Die Statistik belegt, dass in diesem Stadtteil viele ältere Menschen leben. Nicht nur für sie ist es aber wichtig, diese Einrichtungen sowie Bus- oder U-Bahn-Haltestellen fußläufig gut erreichen zu können. Da Mobilität sehr vielschichtig ist, sind solche Aussagen über Ursache- und Wirkungsbeziehungen manchmal gar nicht so einfach. Um zu verstehen, „wo der Schuhdrückt“, muss man vor allem gut zuhören können. Denn die wirklichen Expert:innen für die Mobilität vor Ort sind die Menschen, die im Quartier leben und die Situation aus eigener Erfahrung kennen. Wenn Wissenschaftler:innen und Menschen aus der Nachbarschaft in einem Projekt wie MobiQ zusammenarbeiten, müssen sie sich zuerst ein gemeinsames Verständnis erarbeiten. Wir haben deshalb viele Interviews mit Einwohner:innen geführt. So konnten wir einen guten Eindruck von der Wirklichkeit und vom Leben in der Nachbarschaft gewinnen. Mit den Informationen aus den Interviews konnten wir sogenannte „egozentrierte Netzwerkkarten“ ausfüllen. Darin trugen wir wichtige Orte und Personen ein. Dieses Verfahren nutzten wir, um zu verstehen, wie unsere drei Orte – Stuttgart-Rot, Geislingen und Waldburg – sozial funktionieren und was das soziale Leben vor Ort ausmacht, wie der Alltag der Menschen aussieht. Wir nennen das die „sozialen Landkarten“.8 In der Mitte steht immer die befragte Person. Meist in Kreisform angeordnet, trägt sie wichtige Menschen oder Orte in ihrem Leben ein. Die Entfernung zum Mittelpunkt drückt dabei aus, wie stark die Akteur:innen zueinander in einer Beziehung stehen. Zusätzlich wurden geografische Netzwerkkarten ausgefüllt. Sie zeigen, welche Orte wichtig für die Menschen sind. Bürger:innen haben darin beispielsweise eingetragen, wohin sie zur Arbeit müssen, wo die Eltern, der beste Freund, die Lebenspartnerin wohnt oder wohin sie jede Woche zum Sport gehen. Im Ergebnis konnten wir so genau verstehen, zu welchen Zwecken die Bewohner:innen unterwegs sind und was sie in ihrem Alltag leisten und erledigen müssen. Wissenschaftlich nennt man das die „individuellen Mobilitätskonstruktionen und -praktiken“ der Menschen.

 Begriffsklärung Persona

Eine Persona ist eine fiktive, aber dennoch realistische Darstellung eines typischen Nutzers oder einer typischen Nutzerin eines Produkts oder einer Dienstleistung. Personas werden in der Marketing-, Design- und Produktentwicklung verwendet, um das Verständnis für die Zielgruppe zu vertiefen und die Entwicklung von Produkten oder Dienstleistungen benutzerzentriert zu gestalten.

Personas und Problemszenarien sollten in Werkstätten ( Workshops ) diskutiert, erweitert und konkretisiert werden ( Näheres dazu in Schritt 5 )

Beispielhafte Persona

A. Wo der Schuh wirklich drückt

Unsere „Schatzkarten“ (siehe Schritt 1 ) waren enorm hilfreich. Sie bilden die Situation in den Quartieren so ab, wie wir sie zum Beginn des Projekts vorfanden. Ein paar Beispiele aus Stuttgart-Rot verdeutlichen das sehr gut:

Bei unseren Besuchen vor Ort stellten wir fest, dass sehr viele Autos auf den Straßen abgestellt wurden, viele davon im Parkverbot. Das macht es oft gefährlich, sich dort zu Fuß fortzubewegen und der öffentliche Raum wird von den Menschen als „autodominiert“ wahrgenommen. Expert:innen sprechen in diesem Fall von einem „hohen Parkdruck“.7 Genau das ist in Stuttgart-Rot der Fall. Als der neue Stadtteil in den 1950er- bis 1960er-Jahren entstanden ist, besaßen nur wenige Menschen ein Auto. Die Wohngebäude wurden daher meist nicht mit Parkraum ausgestattet, Parkplätze wurden hauptsächlich auf den Straßen zur Verfügung  gestellt.

Wir alten Leute fühlen
uns hier einfach
abgehängt – wie auf dem
Abstellgleis!“

Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass Stuttgart-Rot über ein breites Angebot an Schulen und sozialen Einrichtungen verfügt. Nahversorgung, also Einrichtungen des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Bäckereien, Poststellen, Banken oder Apotheken, gibt es jedoch nur vereinzelt. Die Statistik belegt, dass in diesem Stadtteil viele ältere Menschen leben. Nicht nur für sie ist es aber wichtig, diese Einrichtungen sowie Bus- oder U-Bahn-Haltestellen fußläufig gut erreichen zu können. Da Mobilität sehr vielschichtig ist, sind solche Aussagen über Ursache- und Wirkungsbeziehungen manchmal gar nicht so einfach. Um zu verstehen, „wo der Schuhdrückt“, muss man vor allem gut zuhören können. Denn die wirklichen Expert:innen für die Mobilität vor Ort sind die Menschen, die im Quartier leben und die Situation aus eigener Erfahrung kennen. Wenn Wissenschaftler:innen und Menschen aus der Nachbarschaft in einem Projekt wie MobiQ zusammenarbeiten, müssen sie sich zuerst ein gemeinsames Verständnis erarbeiten. Wir haben deshalb viele Interviews mit Einwohner:innen geführt. So konnten wir einen guten Eindruck von der Wirklichkeit und vom Leben in der Nachbarschaft gewinnen. Mit den Informationen aus den Interviews konnten wir sogenannte „egozentrierte Netzwerkkarten“ ausfüllen. Darin trugen wir wichtige Orte und Personen ein. Dieses Verfahren nutzten wir, um zu verstehen, wie unsere drei Orte – Stuttgart-Rot, Geislingen und Waldburg – sozial funktionieren und was das soziale Leben vor Ort ausmacht, wie der Alltag der Menschen aussieht. Wir nennen das die „sozialen Landkarten“.8 In der Mitte steht immer die befragte Person. Meist in Kreisform angeordnet, trägt sie wichtige Menschen oder Orte in ihrem Leben ein. Die Entfernung zum Mittelpunkt drückt dabei aus, wie stark die Akteur:innen zueinander in einer Beziehung stehen. Zusätzlich wurden geografische Netzwerkkarten ausgefüllt. Sie zeigen, welche Orte wichtig für die Menschen sind. Bürger:innen haben darin beispielsweise eingetragen, wohin sie zur Arbeit müssen, wo die Eltern, der beste Freund, die Lebenspartnerin wohnt oder wohin sie jede Woche zum Sport gehen. Im Ergebnis konnten wir so genau verstehen, zu welchen Zwecken die Bewohner:innen unterwegs sind und was sie in ihrem Alltag leisten und erledigen müssen. Wissenschaftlich nennt man das die „individuellen Mobilitätskonstruktionen und -praktiken“ der Menschen.9

B. Wir alle sind Mobilitätsexpert:innen

Durch die beschriebenen Schritte (Schatzkarten erstellen, Beobachtungen sammeln, Probleme identifizieren, Personas bilden) konnten wir uns ein umfangreiches Wissen über die Orte erarbeiten. Zusammen mit den Bürger:innen haben wir Kompetenzen erworben, mit denen wir die Projekte stärken und unterstützen konnten. Natürlich hat nicht alles so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Mit einigen Enttäuschungen und Rückschlägen mussten wir leben. Aber es ging immer voran, und in einem guten Team ist manches auch viel leichter zu meistern als allein.

Daher fassen wir hier kurz unsere wesentlichen Lernschritte zusammen:

  • Um Zusammenhänge zu erkennen unddaraus Probleme abzuleiten, reicht einereine Beschreibung der Gegebenheiten vor Ort nicht aus.
  • Erst wenn die Beobachtungen mit dem Wissen der Menschen verknüpft sind, können Problemhypothesen gebildet werden. Die Menschen vor Ort sind die
    Expert:innen ihrer eigenen Mobilität.
  • Die sozialen und geografischen Netzwerkkarten kann man gut verstehen und für die Projektarbeit nutzen, wenn sie mit den Informationen aus den Interviews verknüpft sind. Das hat uns geholfen, ein präzises Bild der Situation vor Ort zu bekommen. Wir konnten in Diskussionen die Projekte mit unserem Wissen gut unterstützen.
  • Daten müssen aufbereitet werden. Personas sind dabei ein wichtiger Arbeitsschritt. Sie helfen, Problemszenarien zuerarbeiten und eine Idee oder gar Vision zu entwickeln, wie es vor Ort aussehen könnte, wenn das Projekt funktioniert.

C. Heraus-forderungen erkennen

C. Herausforderungen erkennen

Auch du selbst bist Experte oder Expertin für deine eigene Mobilität. Daher ist es vor allem wichtig, dass du deine eigenen Routinen und dein Mobilitätsverhalten genau betrachtest. Anhand einer Analyse, wie wir sie in Schritt 1 beschrieben haben, kannst du das Problem, das du lösen willst, schon sehr genau beschreiben. Wichtig ist zudem, dass du dich auch mit anderen abstimmst und mit den Menschen, mit denen du zusammenarbeitest, eine gemeinsame Problemdefinition erarbeitest. Denn je genauer das Problem gefasst ist, desto leichter ist es möglich, Lösungen zu finden, die andere mittragen. Wie bewegst du dich durch deine Nachbarschaft, die du nun kartiert hast? Gehe am besten so vor:

Nimm ein einfaches Notizbuch und notiere über einen bestimmten Zeitraum (idealerweise zwei Wochen und auch an den Wochenenden), wohin du gehst, wie du dorthin gelangst und warum. Mach dabei Aufzeichnungen über die genutzten Verkehrsmittel (zu Fuß, mit dem Rollator, per Fahrrad, Bus Auto und auch als Mitfahrer:in bei Freund:innen und Verwandten etc.), die zurückgelegten Entfernungen (bis 3 km, bis 5 km, 6–10km, mehr als 10 km und weitere Entfernungen/Reisen) und die Dauer der Strecken. Notiere, was gut funktioniert hat. Schreibe die Gefühle auf, die du unterwegs hattest. Trage während deiner „Unterwegszeit“ die Uhrzeiten, Kilometer und das Verkehrsmittel ein. Versuche am Abend oder in einer ruhigen Minute die restlichen Felder auszufüllen, um unterwegs nicht zu viele Unterbrechungen wegen des Tagebuchs zu haben. So kannst du dein eigenes Mobilitätsverhalten und wiederkehrende Muster erkennen. Bitte zwei oder drei Mitstreiter:innen im Projekt, das Gleiche zu tun. Wenn ihr es schafft, dieses Tagebuch über zwei Wochen zu führen, habt ihr einen großen „Schatz“ und einen Datensatz für die weitere Arbeit gewonnen.

Schneller als mit dem Mobilitäts-Tagebuch kommst du mit der von uns verwendeten Methode der sozialen und geografischen Netzwerkkarten voran. Nimm dir pro Karte ungefähr eine halbe Stunde Zeit und befrage zunächst dich selbst und Menschen in deinem Umfeld. Beginne mit der sozialen Netzwerkkarte. Stelle dir selbst die Frage: „Wer sind für mich die wichtigen Menschen in meinemLeben?“ Trage sie in die Kreise 1 (besonderswichtig) bis 3 (wichtig) ein. Notiere dazu, wie oft du diese Menschen triffst, wie weit weg sie leben und wie ihr Kontakt haltet (persönlich, per Telefon, per Post, per Video etc.).Du kannst diese Personen auf deiner Netzwerkkarte sortieren und so zum Beispiel Freund:innen aus deinem Fußballverein in einem Bereich zusammenfassen und deine Kolleg:innen aus der gleichen Firma an einer anderen Stelle. Dann kümmerst du dich um die geografischen Netzwerkkarten. Hier geht es um die Frage: „Was sind die wichtigen Orte in meinem Leben?“

Hier trägst du (bzw. die Person, die du befragst) ebenso strukturiert wie bei der sozialen Netzwerkkarte die Orte ein. Also nicht nach der Entfernung, sondern der Wichtigkeit. Das musst du nicht ausschließlich auf das Quartier beschränken, auch hier kannst du Gruppen von Orten bilden. So kannst du zum Beispiel Orte zusammenfassen, die du für gewöhnlich mit einem bestimmten Verkehrsmittel besuchst. Nutze dabei die vorher notierten Gedanken über deine sozialen Kontakte als Hilfe. Oft sind wichtige Personen auch mit wichtigen Orten verknüpft. Auch hier sollte das Notizbuch immer parat liegen, damit keine Informationen verloren gehen. Denke nun darüber nach, wie du zu diesen Orten gelangst und zeichne diese Wege auch in die Schatzkarte ein. Was kommt dir dabei in den Sinn, wenn du an diese Wege denkst? Stelle dir Fragen wie: Wo sind die Stellen im Quartier, an denen immer wieder Probleme auftauchen? Welche Teilstrecken fährst du dabei nicht gerne? Wo nimmst du einen Umweg in Kauf und warum? Konzentriere dich im ersten Schritt dabei stets auf den Teil des Weges, der im Quartier liegt. Am Ende wirst du eine Karte mit möglichen „Problemen“ haben, die du angehen könntest.

In deiner sozialen Netzwerkkarte stehen Namen von Menschen, die dir wichtig sind oder die eine entscheidende Rolle in deinem Leben spielen. Sprich zuerst mit diesen Menschen über deine Beobachtungen. Vielleicht fallen dir auch Menschen ein, von denen du weißt, dass sie ähnliche Herausforderungen in ihrer Mobilität haben. Teile die Ergebnisse aus deiner Analyse mit ihnen und besprich die Erkenntnisse, die aus dem Nachdenken über deine Mobilität entstanden.
Sprich zuerst mit Menschen aus deiner näheren Umgebung, die ebenfalls hauptsächlich im Quartier unterwegs sind. Ermuntere sie, dieselben Methoden zu verwenden, um auch ihre Erfahrungen zu strukturieren. Lade sie beispielsweise ein, die Netzwerkkarten gemeinsam auszufüllen. Sammelt eure Erkenntnisse und macht euch zusammen auf die Suche nach den Problemen, die man auch lösen könnte. Wenn man sich mit der eigenen Mobilität und der im Quartier beschäftigt, kommt man schnell auf Möglichkeiten, sie zu verbessern und nachhaltiger zu gestalten. Man erkennt, dass gemeinsames Engagement für Veränderungen möglich ist und auf welche Weise dies geschehen kann.

Das (digitale) Mobilitäts-Tagebuch
Nimm ein einfaches Notizbuch und notiere über einen bestimmten Zeitraum (idealerweise zwei Wochen und auch an den Wochenenden), wohin du gehst, wie du dorthin gelangst und warum. Mach dabei Aufzeichnungen über die genutzten Verkehrsmittel (zu Fuß, mit dem Rollator, per Fahrrad, Bus Auto und auch als Mitfahrer:in bei Freund:innen und Verwandten etc.), die zurückgelegten Entfernungen (bis 3 km, bis 5 km, 6–10km, mehr als 10 km und weitere Entfernungen/Reisen) und die Dauer der Strecken. Notiere, was gut funktioniert hat. Schreibe die Gefühle auf, die du unterwegs hattest. Trage während deiner „Unterwegszeit“ die Uhrzeiten, Kilometer und das Verkehrsmittel ein. Versuche am Abend oder in einer ruhigen Minute die restlichen Felder auszufüllen, um unterwegs nicht zu viele Unterbrechungen wegen des Tagebuchs zu haben. So kannst du dein eigenes Mobilitätsverhalten und wiederkehrende Muster erkennen. Bitte zwei oder drei Mitstreiter:innen im Projekt, das Gleiche zu tun. Wenn ihr es schafft, dieses Tagebuch über zwei Wochen zu führen, habt ihr einen großen „Schatz“ und einen Datensatz für die weitere Arbeit gewonnen.

Soziale und geografische Netzwerkkarten

Schneller als mit dem Mobilitäts-Tagebuch kommst du mit der von uns verwendeten Methode der sozialen und geografischen Netzwerkkarten voran. Nimm dir pro Karte ungefähr eine halbe Stunde Zeit und befrage zunächst dich selbst und Menschen in deinem Umfeld. Beginne mit der sozialen Netzwerkkarte. Stelle dir selbst die Frage: „Wer sind für mich die wichtigen Menschen in meinemLeben?“ Trage sie in die Kreise 1 (besonderswichtig) bis 3 (wichtig) ein. Notiere dazu, wie oft du diese Menschen triffst, wie weit weg sie leben und wie ihr Kontakt haltet (persönlich, per Telefon, per Post, per Video etc.).Du kannst diese Personen auf deiner Netzwerkkarte sortieren und so zum Beispiel Freund:innen aus deinem Fußballverein in einem Bereich zusammenfassen und deine Kolleg:innen aus der gleichen Firma an einer anderen Stelle. Dann kümmerst du dich um die geografischen Netzwerkkarten. Hier geht es um die Frage: „Was sind die wichtigen Orte in meinem Leben?“ Hier trägst du (bzw. die

Abbildung: Das Erstellen einer geografischen Netzwerkkarte gibt Aufschluss darüber, welche Orte dir oder der befragten Person besonders wichtig sind.

Person, die du befragst) ebenso strukturiert wie bei der sozialen Netzwerkkarte die Orte ein. Also nicht nach der Entfernung, sondern der Wichtigkeit. Das musst du nicht ausschließlich auf das Quartier beschränken, auch hier kannst du Gruppen von Orten bilden. So kannst du zum Beispiel Orte zusammenfassen, die du für gewöhnlich mit einem bestimmten Verkehrsmittel besuchst. Nutze dabei die vorher notierten Gedanken über deine sozialen Kontakte als Hilfe. Oft sind wichtige Personen auch mit wichtigen Orten verknüpft. Auch hier sollte das Notizbuch immer parat liegen, damit keine Informationen verloren gehen. Denke nun darüber nach, wie du zu diesen Orten gelangst und zeichne diese Wege auch in die Schatzkarte ein. Was kommt dir dabei in den Sinn, wenn du an diese Wege denkst? Stelle dir Fragen wie: Wo sind die Stellen im Quartier, an denen immer wieder Probleme auftauchen? Welche Teilstrecken fährst du dabei nicht gerne? Wo nimmst du einen Umweg in Kauf und warum? Konzentriere dich im ersten Schritt dabei stets auf den Teil des Weges, der im Quartier liegt. Am Ende wirst du eine Karte mit möglichen „Problemen“ haben, die du angehen könntest.

Abbildung: Ausschnitt beispielhafte Problemkarte Stuttgart-Rot

Andere einbinden

In deiner sozialen Netzwerkkarte stehen Namen von Menschen, die dir wichtig sind oder die eine entscheidende Rolle in deinem Leben spielen. Sprich zuerst mit diesen Menschen über deine Beobachtungen. Vielleicht fallen dir auch Menschen ein, von denen du weißt, dass sie ähnliche Herausforderungen in ihrer Mobilität haben. Teile die Ergebnisse aus deiner Analyse mit ihnen und besprich die Erkenntnisse, die aus dem Nachdenken über deine Mobilität entstanden.
Sprich zuerst mit Menschen aus deiner näheren Umgebung, die ebenfalls hauptsächlich im Quartier unterwegs sind. Ermuntere sie, dieselben Methoden zu verwenden, um auch ihre Erfahrungen zu strukturieren. Lade sie beispielsweise ein, die Netzwerkkarten gemeinsam auszufüllen. Sammelt eure Erkenntnisse und macht euch zusammen auf die Suche nach den Problemen, die man auch lösen könnte. Wenn man sich mit der eigenen Mobilität und der im Quartier beschäftigt, kommt man schnell auf Möglichkeiten, sie zu verbessern und nachhaltiger zu gestalten. Man erkennt, dass gemeinsames Engagement für Veränderungen möglich ist und auf welche Weise dies geschehen kann.

Eine gemeinsame Problemdefinition ist wichtig

Je genauer ihr das Problem beschreibt und definiert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich lösen lässt. Für ein Thema, das viele in der Nachbarschaft umtreibt, das ihnen das Leben schwer macht oder für das es bessere und nachhaltigere Lösungen gibt, kann man auch viele Verbündete finden. Eine Problemdefinition, die von vielen Menschen geteilt wird, ist ein Erfolgskriterium. Darin steckt die Energie für Veränderung, und so kann man leichter Bündnispartner:innen finden. Aber wie kann eine gemeinsame Problemdefinition entwickelt werden? Darüber entscheiden folgende vier Aspekte:

Die Beteiligten sind sich einig, dass das Problem existiert und relevant ist.

Es ist wichtig, dass man nicht sein persönliches Steckenpferd zum Thema macht, sondern ein Thema, das viele angeht.

Viele wollen das gleiche Problem angehen und gemeinsam daran arbeiten, es zu lösen.

Das Problem kann niemand im Alleingang aus der Welt schaffen. Es erfordert die Zusammenarbeit und Koordination der Betroffenen.

Man bekommt natürlich
immer wieder Druck, Ja,
wann machst du endlich
deinen Führerschein?‘
Weil das noch häufig
als Norm gesehen wird.“

Wenn ihr euch so auf ein gemeinsames Problem geeinigt habt, muss es noch prägnant zusammengefasst werden. Dabei geht man am besten so vor:

Konzentriert euch auf das Wesentliche

Identifiziert die Schlüsselaspekte des Problems und konzentriert euch auf die Hauptursachen und Auswirkungen. Eine Problemdefinition sollte präzise und fokussiert sein.

Verwendet eine klare Sprache

Formuliert das Problem klar und in einfachen Worten. Findet gegebenenfalls jemanden, der gut mit Sprache umgehen kann. Vermeidet Fachbegriffe oder komplexe Ausdrücke.

Definiert den Umfang

Begrenzt den Umfang des Problems. Eine Problemdefinition darf nicht zu breit gefasst sein. Dies hilft dabei, sich auf konkrete Lösungen zu konzentrieren.

Zeigt die Wichtigkeit auf

Erklärt, war um das Problem wichtig ist und welche Auswirkungen es hat. Zeigt auf, warum eine Lösung notwendig ist.

Definiert die Gruppe der Betroffenen

Beschreibt, wer von dem Problem betroffen ist, und integriert diese Beschreibung in die Problemdefinition.

Identifiziert die Schlüsselaspekte des Problems und konzentriert euch auf die Hauptursachen und Auswirkungen. Eine Problemdefinition sollte präzise und fokussiert sein.

Formuliert das Problem klar und in einfachen Worten. Findet gegebenenfalls jemanden, der gut mit Sprache umgehen kann. Vermeidet Fachbegriffe oder komplexe Ausdrücke.

Begrenzt den Umfang des Problems. Eine Problemdefinition darf nicht zu breit gefasst sein. Dies hilft dabei, sich auf konkrete Lösungen zu konzentrieren.

Erklärt, war um das Problem wichtig ist und welche Auswirkungen es hat. Zeigt auf, warum eine Lösung notwendig ist.

Beschreibt, wer von dem Problem betroffen ist, und integriert diese Beschreibung in die Problemdefinition.

Wenn ihr eine gemeinsame Problemdefinition erarbeitet und ein gemeinsames Verständnis erreicht habt, seid ihr bereit, euch umzuschauen, wie diese Probleme an anderen Orten gelöst wurden. Auf dieser Basis könnt ihr eigene Lösungsstrategien erarbeiten.

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

An erster Stelle muss das Verständnis stehen, dass die Menschen vor Ort, in Sachen Mobilität auch am besten wissen, wo ihre Herausforderungen liegen. Der hier vorgestellte Ansatz ist etwas anderes als die formale Bürger:innenbeteiligung, z. B. im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens. Das hier präsentierte Vorgehen zielt darauf, die soziale Erfindungskraft der Menschen in den Quartieren freizusetzen, um nachhaltige Mobilitätslösungen zu finden, die das Leben vor Ort verbessern. Nachhaltige Mobilität kann aus der Mitte der Gesellschaft herausentstehen und das gemeinsame Gestalten der Nachbarschaft Freude bereiten. Man kann auch sagen, dass so soziales Lernen und Machen möglich sind und sich positive Zukunftsvisionen entwickeln lassen.10 Oft findet diese Phase der Mobilitätsgestaltung informell statt, doch sollte die Stadt oder Gemeinde sie unterstützen. Denn es ist keineswegs selbstverständlich, dass Bürger:innen sich derartig engagieren und ihren Erfindungsreichtum und Erfahrungsschatz für das Wohl der Gemeinde einsetzen. Eine Kommune kann Bürger:innen unterstützen, indem sie ihre Probleme aufgreift und Lösungsideen entwickelt. Ein lebendiger Dialog zwischen Bürger:innen, Verwaltung und Politik kann letztlich allen dabei helfen, die Lebensqualität und die Zufriedenheit vor Ort zu verbessern.

Das Auto, die heilige Kuh
der Deutschen, das ist
ein schwieriges Thema!“

Hoher Parkdruck und daraus resultierender Suchverkehr machen sich auch in der Innenstadt von Geislingen bemerkbar. Foto: Julian Bansen

In Geislingen gibt es zwar Fahrradwege, diese enden jedoch immer wieder plötzlich oder gehen direkt in Hauptverkehrsstraßen über. Foto: Julian Bansen

Im ländlichen Raum sind weite Wege keine Seltenheit, wie hier in Waldburg. Foto: Lukas Minnich

Zugeparkte Straßen in Stuttgart-Rot verdeutlichen den hohen Flächenverbrauch von Pkws und stellen zudem ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Foto: Barbara Hefner