Kapitel 3

Von Anderen lernen

In den vorherigen Schritten haben wir dargestellt, wie sich die Nachbarschaft kennenlernen lässt und wie Probleme erkennbar werden. Hier zeigen wir, dass es sich lohnt, von anderen zu lernen. Denn so kann die Qualität neuer Ideen für die Lösung örtlicher Mobilitätsprobleme verbessert werden.

A. Nach Inspiration suchen

Mit dem Projekt MobiQ sollten in drei Nachbarschaften gemeinschaftlich neue Mobilitätslösungen umgesetzt werden. Um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, was das für Projekte sein könnten, untersuchte das Projektteam folgende bereits umgesetzte, gemeinschaftlich organisierte Mobilitätslösungen:11

Nicht zu allen Mobilitätslösungen gab es veröffentlichte Informationen. Daher führten wir Interviews mit den Projektverantwortlichen und konnten so mehr über die Hintergründe der Mobilitätsangebote erfahren. Diese Fragen waren für uns interessant:

  • 1

    Welches Mobilitätsangebot wurde geschaffen? Wodurch entsteht ein Mehrwert?

  • 2

    Wer sind die Nutzer:innen? Warum und wie wird das Angebot genutzt?

  • 3

    In welcher Umgebung entstand das Angebot? Welche Voraussetzungen gab es?

  • 4

    Wer sind die Schlüsselpersonen für den Entwicklungsprozess und den Betrieb des Mobilitätsangebots?

  • 5

    Wie wurde das Angebot entwickelt? Wie finanziert es sich? Wie wird es tragfähig?

  • 6

    Welche Schlüsselressourcen (z.B. Fahrzeuge, Buchungssysteme aber auch Netzwerke oder Partnerschaften) sind Teil des Angebots?

Kapitel 3

Von Anderen lernen

In den vorherigen Schritten haben wir dargestellt, wie sich die Nachbarschaft kennenlernen lässt und wie Probleme erkennbar werden. Hier zeigen wir, dass es sich lohnt, von anderen zu lernen. Denn so kann die Qualität neuer Ideen für die Lösung örtlicher Mobilitätsprobleme verbessert werden.

A. Nach Inspiration suchen

Mit dem Projekt MobiQ sollten in drei Nachbarschaften gemeinschaftlich neue Mobilitätslösungen umgesetzt werden. Um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, was das für Projekte sein könnten, untersuchte das Projektteam folgende bereits umgesetzte, gemeinschaftlich organisierte Mobilitätslösungen:11

Nicht zu allen Mobilitätslösungen gab es veröffentlichte Informationen. Daher führten wir Interviews mit den Projektverantwortlichen und konnten so mehr über die Hintergründe der Mobilitätsangebote erfahren. Diese Fragen waren für uns interessant:

  • 1

    Welches Mobilitätsangebot wurde geschaffen? Wodurch entsteht ein Mehrwert?

  • 2

    Wer sind die Nutzer:innen? Warum und wie wird das Angebot genutzt?

  • 3

    In welcher Umgebung entstand das Angebot? Welche Voraussetzungen gab es?

  • 4

    Wer sind die Schlüsselpersonen für den Entwicklungsprozess und den Betrieb des Mobilitätsangebots?

  • 5

    Wie wurde das Angebot entwickelt? Wie finanziert es sich? Wie wird es tragfähig?

  • 6

    Welche Schlüsselressourcen (z.B. Fahrzeuge, Buchungssysteme aber auch Netzwerke oder Partnerschaften) sind Teil des Angebots?

B. Blick hinter die Kulissen

„Unser Carsharing-System bringt einen Mehrwert in unsere Nachbarschaft:

Menschen können sich die Kosten für ein eigenes Auto teilen und sich gleichzeitig kennenlernen.“

Einige wichtige Dinge haben wir gelernt, indem wir bestehende Mobilitätsangebote analysierten. Wer in der Nachbarschaft neue Mobilitätsangebote entwickelt, sollte diese Punkte im Hinterkopf behalten, denn so können die eigenen Ideen verbessert und passgenau entwickelt werden.

Tipps

Ein gemeinsames Leitbild, eine Vision, motiviert dazu, sich einzubringen und gemeinsame Regeln zu entwickeln.

Für die Entwicklung gemeinschaftlicher Mobilitätsangebote ist ein Treffpunkt hilfreich. Dort können alle, die mitarbeiten, zusammenkommen und sich austauschen.

Bisher entstanden viele gemeinschaftlich entwickelte Mobilitätsangebote in „geschlossenen Gruppen“, etwa einem Wohnprojekt. Das kann praktisch sein, weil sich die Menschen vertrauen und unkompliziert miteinander reden können. Eine „offene Gruppe“ hat dafür das Potenzial, mehr Menschen zu erreichen und das Angebot langfristig weiter zu entwickelt.

Um gemeinschaftliche Mobilitätsangebote zu entwickeln, ist es hilfreich, wenn fachliche Expertise hinzugezogen wird, etwa Expertise zu Kommunikationsstrategien, Projektorganisation und Fördermitteln oder die Einbindung in Fördervorhaben.

Beim Aufbau von gemeinschaftlichen Mobilitätsangeboten ist es wichtig, sowohl in Materielles wie Fahrzeuge und Organisationstools (z.B. eine Buchungsplattform) zu investieren, als auch Immaterielles wie gegenseitiges Vertrauen und ehrenamtliches Engagement zu fördern.

Digitale Lösungen, etwa eine digitale Buchungsplattform, erleichtern es, Mobilitätsangebote zu organisieren. Gleichzeitig steckt darin das Risiko, Interessierte von der Nutzung auszuschließen, wenn sie nicht mit einem Computer oder Smartphone umgehen können.

Gemeinschaftlich entwickelte Mobilitätsangebote sind eher erfolgreich, wenn sie von der lokalen Politik und Behörden unterstützt werden. Finanzielle Förderung ist hilfreich und oft notwendig.

Es kann sinnvoll sein, einen Verein zu gründen. Vereine haben es oft leichter, günstige Versicherungskonditionen und Förderungen in Anspruch zu nehmen. Allerdings müssen sie umsatzsteuerliche Regelungen beachten (Zweck- und wirtschaftlicher Betrieb).

Mobilitätsangebote sollten so gestaltet werden, dass sie die Bedürfnisse der Nutzer:innen optimal erfüllen. Um langfristig erfolgreich zu sein, sind die Mobilitätsangebote regelmäßig anzupassen und zu überarbeiten.

Für Mobilitätsangebote, die sich nicht an „geschlossene Gruppen“ richten, ist Werbung besonders wichtig.

Wir haben als Projektteam gelernt, das Mobilitätsangebote besser angenommen werden, wenn die Menschen vor Ort darin einen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorteil erkennen.

C. Gute Beispiele finden

Du hast Deine Nachbarschaft erkundet und ein Mobilitätsproblem erkannt? Dann geht es nun darum, sich gute Lösungsideen anzuschauen. Dafür bieten sich die folgenden drei Arbeitsschritte an.

„Dass man durch Straßen gehen kann, wo kein Auto steht, also solche erfahrbaren, erfühlbaren Vorteile wollte man gerne als Gegenleistung für den Verzicht aufs Auto haben, so fing das an.“

Online-Recherche

Nutze eine Suchmaschine, um nach Mobilitätslösungen zu suchen. Sofern du klassische Suchmaschinen wie Google, Bing oder Ecosia nutzen möchtest, wähle einen oder mehrere Begriffe, die dein Problem beschreiben, z. B. „Nachts kein Bus“. Suche danach und ergänze wahlweise weitere Begriffe, die dir hilfreich erscheinen, z. B. „Dorf“, „Stadtrand“, „Idee“ oder „Lösungsansätze“. Sofern du Angebote nutzen möchtest, die mit KI arbeiten (etwa Microsoft Copilot, Perplexity oder Chat GPT), gib deine Frage ein. So könntest du etwa fragen: „In meinem Ort kommt nachts kein Bus. Zeige mir Projekte aus Deutschland, in denen Nachbarn ein ähnliches Problem gemeinsam gelöst haben.“ Beachte bei deiner Suche, dass die Nutzung von KI Risiken hat und nicht alle Ergebnisse der Wahrheit entsprechen müssen. Verwende Datenbanken, um dich über Lösungsansätze zu informieren. Suche dazu etwa nach „Datenbank Mobilitätslösungen“. So lassen sich hilfreiche Angebote finden, wie etwa die Plattform „Mobilikon“ (mobilikon.de) oder die Plattform „Intelligent Mobil“ (intelligentmobil.de/mobilitaetsloesungen). Suche auch in sozialen Medien nach gemeinschaftlichen Mobilitätslösungen.

Recherche im echten Leben

Erzähle Nachbar:innen, Freund:innen und Bekannten von deinem Mobilitätsproblem. Erkundige dich, inwiefern diese Menschen aus anderen Orten gute Ideen zur Lösung des Problems kennen. Tritt in Kontakt mit lokalen und regionalen Vereinen, Initiativen, Politiker:innen und Verwaltungsmitarbeitenden. Bringe in Erfahrung , welche Lösungsideen diese Menschen kennen. Besuche bereits umgesetzte lokale Projekte und Informationsveranstaltungen. So lernst du von den Ideen anderer und knüpfst erste Kontakte.

Fundstücke untersuchen und einordnen

Versuche, für jede der von dir gefundenen Mobilitätslösungen die folgenden Fragen zu beantworten. Erstelle dazu beispielsweise eine einfache Tabelle oder nutze Karteikarten oder Klebezettel.

  • 1

    Welches Mobilitätsangebot wurde geschaffen? Wodurch entsteht ein Mehrwert?

  • 2

    Wer sind die Nutzer:innen? Warum und wie wird das Angebot genutzt?

  • 3

    Welche Umgebung hat das Angebot? Welche Voraussetzungen gab es?

  • 4

    Wer sind die Schlüsselpersonen für den Entwicklungsprozess und den Betrieb des Mobilitätsangebots?

  • 5

    Wie wurde das Angebot entwickelt? Wie finanziert sich das Angebot? Wie wird es tragfähig?

  • 6

    Welche Schlüsselressourcen (z. B. Fahrzeuge oder Buchungssysteme aber auch Netzwerke oder Partnerschaften) sind Teil des Angebots?

Versuche zu verstehen, wie die Rahmenbedingungen (Punkt 3. in der obigen Liste) beeinflusst haben, wie die jeweilige Mobilitätslösung gestaltet wurde und ob sie erfolgreich war. Vergleiche dies mit den Rahmenbedingungen in deiner Nachbarschaft (Schritt 1 und 2 ). Dies wird dir im weiteren Prozess helfen, die Erfolgsaussichten eurer Ideen besser einzuschätzen und eure Mobilitätsangebote passgenau zu gestalten.

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

Es gibt viele Netzwerke für Kommunen und kommunale Akteur:innen, in welchen gute Beispiele für aktive Beteiligung von Bürger:innen, bürgerschaftliches Engagement, aber auch nachhaltige Mobilität ausgetauscht werden. Das Kompetenznetzwerk für nachhaltige Mobilität (nakomo) ist eine wichtige Anlaufstelle zum Austausch. Es gibt auch landesspezifische Angebote wie die Allianz für Beteiligung in Baden-Württemberg. Hier können sich Kommunen über Förderangebote informieren und sich mit Akteur:innen aus der engagierten Zivilgesellschaft und anderen Kommunen austauschen.

Darüber hinaus sind Städte und Gemeinden ohnehin über den Kreistag, den Deutschen Städtetag, den Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie ähnliche Institutionen vernetzt. Aktive Bürger:innen, die am Anfang oft nur eine vage Idee haben, sind jedoch meistens noch nicht gut vernetzt. Daher gilt es, den Engagierten über die eigenen Netzwerke weiterzuhelfen. Städte und Gemeinden können Kontakte vermitteln, Treffen vereinbaren oder auch nur Informationen weiterleiten. Denn diese Kontakte und Ideen sind ein wertvoller Wissensschatz. Auf der Suche nach Lösungen für Mobilitätsprobleme ist es deshalb wertvoll, wenn kommunale Akteur:innen ihr Wissen aufbereiten und sich mit anderen Kommunen und Institutionen austauschen.