Kapitel 4

Bündnisse schmieden

Ihr habt nun gemeinsam ein Problem formuliert und euch von anderen inspirieren lassen, wie es sich lösen lässt. Bevor ihr Ideen entwickelt, wie ihr das Problem genau angehen wollt, solltet ihr euch etwas Zeit nehmen. Denn wir haben gute Erfahrung damit gemacht, uns mit den Menschen und Gruppen vor Ort vertraut zu machen, bevor wir an die konkrete Arbeit gingen. Das hat den Vorteil, dass ihr wisst, wen ihr einbinden könnt, um eure Pläne weiterzuentwickeln und umzusetzen.

Kapitel 4

Bündnisse schmieden

Ihr habt nun gemeinsam ein Problem formuliert und euch von anderen inspirieren lassen, wie es sich lösen lässt. Bevor ihr Ideen entwickelt, wie ihr das Problem genau angehen wollt, solltet ihr euch etwas Zeit nehmen. Denn wir haben gute Erfahrung damit gemacht, uns mit den Menschen und Gruppen vor Ort vertraut zu machen, bevor wir an die konkrete Arbeit gingen. Das hat den Vorteil, dass ihr wisst, wen ihr einbinden könnt, um eure Pläne weiterzuentwickeln und umzusetzen.

A. Engagierte aufspüren

A. Engagierte aufspüren

Um erfolgreich zu sein und stabile Bündnisse zu schmieden, haben wir im Projekt MobiQ zunächst den Ist-Zustand vor Ort ermittelt. Dazu war es wichtig herauszufinden, was es genau vor Ort schon gibt und wer bereits aktiv ist. Denn Bündnispartner:innen sind am Ende oft entscheidend.

Durch mein Engagement als Fahrer ist mein Tag besser strukturiert und es ist einfach schön, die Stimmung im Bus mitzubekommen und die Dankbarkeit zu erfahren.“

Dafür haben wir diese Leitfragen formuliert:

  • Wer ist bereits im Quartier aktiv? Gibt es einen Bezug zur Mobilität? Wer kennt sich gut aus?
  • Wo und wie engagieren sich die Aktiven vor Ort? Z. B. in Initiativen, Vereinen, sozialen Einrichtungen, Stadt oder Gemeinde, Stadt- und Verkehrsplanung, Gastronomie, Gewerbe, Bildungseinrichtungen, als Stadtführer:innen oder Heimatforscher:innen.
  • Wer steckt hinter diesen lokalen Gruppen und welche Interessen vertreten sie?
  • Wie stehen diese in Bezug zu unserer Arbeit im Reallabor MobiQ?

Im Projekt MobiQ haben wir zunächst eine Karte (Mapping) der Gruppen und Aktiven erstellt, die im Projektumfeld ehrenamtlich und beruflich arbeiteten und die für unser Thema wichtig waren. In der vorausgegangenen Bestandsaufnahme und Analyse (Schritte 1 und 2) hatten wir sie schon in einer Karte erfasst. Das kommunale Vereinsverzeichnis, die Lokalzeitung, Interviews bzw. Gespräche waren dabei wichtige Informationsquellen.

Um einschätzen zu können, welche Gruppen, Vereine etc. wann im Projekt wichtig werden, haben wir Symbole für die schon aktiven und die möglichen Unterstützer:innen und Kooperationspartner:innen vergeben.

Abbildung

Um Bündnispartner zu finden, ist es wichtig, mehr über die lokalen Gruppen und aktiven Akteur:innen herauszufinden, wie in dieser beispielhaften Darstellung

Abbildung

Um Bündnispartner zu finden, ist es wichtig, mehr über die lokalen Gruppen und aktiven Akteur:innen herauszufinden, wie in dieser beispielhaften Darstellung

Außerdem wurden auch Personen hinsichtlich ihres Einflusses auf das Projekt kartiert. Dabei war unser Team selbst im Quartier tätig, sodass wir neben den Vereinen, Ortsgruppen, Verkehrsinitiativen oder Parteien etc. zu einem Teil der Aktiven geworden sind. Dadurch hat sich ein Netzwerk aus aktiven Menschen und Gruppen vor Ort gebildet. Die Menschen und Gruppen wurden jeweils einem Sektor zugeordnet (z. B. Verwaltung, soziale Einrichtungen). Zudem wurden sie je nachdem, wie eng sie im Reallabor-Projekt mitarbeiten könnten, angeordnet: Akteur:innen, die entscheidend für den Erfolg des Reallabors sind, waren dabei im inneren Kreis angeordnet, während Personen, die bei einzelnen Aktivitäten oder über einen beschränkten Zeitraum helfen könnten, eher im zweiten oder in den äußeren Kreisen verortet wurden.12

Ebenfalls wurde notiert, wie die Akteur:innen, zum Beispiel über Vereins- oder Parteimitgliedschaften, vernetzt sind. Dies erleichterte es, das Projekt mit dem sozialen Gefüge des Standortes zu verknüpfen. Auch übergreifende Netzwerke in der Stadtgesellschaft wurden uns so bekannt.

Außerdem wurden auch Personen hinsichtlich ihres Einflusses auf das Projekt kartiert. Dabei war unser Team selbst im Quartier tätig, sodass wir neben den Vereinen, Ortsgruppen, Verkehrsinitiativen oder Parteien etc. zu einem Teil der Aktiven geworden sind. Dadurch hat sich ein Netzwerk aus aktiven Menschen und Gruppen vor Ort gebildet. Die Menschen und Gruppen wurden jeweils einem Sektor zugeordnet (z. B. Verwaltung, soziale Einrichtungen). Zudem wurden sie je nachdem, wie eng sie im Reallabor-Projekt mitarbeiten könnten, angeordnet: Akteur:innen, die entscheidend für den Erfolg des Reallabors sind, waren dabei im inneren Kreis angeordnet, während Personen, die bei einzelnen Aktivitäten oder über einen beschränkten Zeitraum helfen könnten, eher im zweiten oder in den äußeren Kreisen verortet wurden.12

Ebenfalls wurde notiert, wie die Akteur:innen, zum Beispiel über Vereins- oder Parteimitgliedschaften, vernetzt sind. Dies erleichterte es, das Projekt mit dem sozialen Gefüge des Standortes zu verknüpfen. Auch übergreifende Netzwerke in der Stadtgesellschaft wurden uns so bekannt.

Abbildung

Die Darstellung der Vernetzungen zwischen den Akteur:innen, beispielsweise durch Vereins- oder Parteimitgliedschaften, hilft die Gesellschaft vor Ort zu verstehen.

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Die Darstellung der Vernetzungen zwischen den Akteur:innen, beispielsweise durch Vereins- oder Parteimitgliedschaften, hilft die Gesellschaft vor Ort zu verstehen.

Begriffserklärung Stakeholder

Ein „Stakeholder“, wörtlich übersetzt ein „Interessenvertreter“, ist eine Person, eine Gruppe oder eine Organisation, die direkt oder indirekt von deinem Projekt betroffen ist oder Einfluss darauf nehmen kann. Stakeholder bzw. Stakeholder-Netzwerke sind nicht zu unterschätzen, da sie auf der einen Seite ein Projekt zum Scheitern bringen können, auf der anderen Seite aber auch über Ressourcen verfügen können, die dir helfen, dein Projekt umzusetzen. Daher ist es wichtig zu entscheiden, welche Stakeholder du wann einbeziehst.

B. Verstehen, was läuft

B. Verstehen, was läuft

Wir haben uns genau angeschaut, wer an unseren drei Standorten jeweils aktiv ist und wer sich mit Mobilität und Verkehr beschäftigt. Dies gab uns ein besseres Gefühl für das Umfeld unseres Projekts und für die Ideen vor Ort. Wir konnten besser einschätzen, wie sich neue Ideen einflechten lassen und mit wem darüber zu sprechen ist.

Einige Punkte finden wir dabei besonders wichtig:

  • Die Bestandsaufnahme nimmt Zeit in Anspruch und erfordert Recherchearbeit.
  • Stakeholder sollten nicht zu voreilig aus der Betrachtung genommen werden.

  • Es ist ein Balanceakt: Es kann einerseits schädlich sein, zu viele Akteur:innen einzubinden, andererseits kann es problematisch sein, einzelne zu übergehen. Die entscheidende Frage lautet: Wer mit welchen Kenntnissen wird zum jetzigen Zeitpunkt unbedingt benötigt, wer ist daher sofort zu informieren?
  • Die Netzwerkkarte mit den Stakeholdern, das „Stakeholder-Mapping“, sollte im Projektverlauf immer wieder aktualisiert werden. Es ist wichtig, im Blick zu behalten, wie sich die Netzwerke im Umfeld des Projekts entwickeln.

C. Gezielt Verbündete finden

C. Gezielt Verbündete finden

Ein „Stakeholder-Mapping“ ist einfach zu erstellen, braucht jedoch etwas Zeit. Am besten ziehst du dich mit deinen Mitstreiter:innen für einen Vormittag zurück und ihr macht in dieser Zeit nur das.

Vorbereitend könntet ihr euch mit Informationen versorgen. So könnte jede:r von euch einen Bereich übernehmen und möglichst viele Akteur:innen heraussuchen, die in eurem Gebiet tätig sind. Hier einige Hinweise, wie ihr euer Umfeld möglichst sorgfältig untersuchen könnt:

In den meisten Kommunen gibt es Informationsportale für Bürger:innen. Sie informieren über die Zusammensetzung des Stadt- oder Gemeinderates.

Ihr kennt bestimmt Menschen, die in eurer Stadt bekannt sind. Zum Beispiel, weil sie sich bereits für ein bestimmtes Anliegen einsetzen und daher bei bestimmten Veranstaltungen anzutreffen sind. Bezieht diese Personen in eure Liste ein, erst recht wenn sich eure Aktivitäten überschneiden könnten. Tragt hier auch Personen ein, die ihr in Schritt 2 auf die Liste genommen, aber noch nicht kontaktiert habt oder die noch kein Interesse hatten.

Sollte eure Stadt oder Gemeinde auf ihrer Webseite kein Vereinsregister anbieten, könnt ihr kostenlos über die Plattform „Gemeinsames Registerportal der Länder“ einen Auszug zu den in eurem PLZ-Gebiet registrierten Vereinen herunterladen.

Ein Auszug aus dem Handelsregister kostet Geld und ist daher nicht empfehlenswert. Eine Alternative kann ein digitales Informationssystem für Bürger:innen in eurer Kommune sein, falls es ein solches gibt. Eine freundliche E-Mail an eure:n kommunale:n Wirtschaftsbeauftragte:n kostet nichts und kann schnell Abhilfe schaffen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mittels eines OnlineKartendienstes zu recherchieren. Das kann zwar zeitintensiv sein, hat jedoch den Vorteil, dass ihr von Anfang an nur die Firmen aussucht, die innerhalb des von euch definierten Gebiets liegen.

Hier findet ihr die Infos am besten über einen Online-Kartendienst und die jeweilige Webseite der Einrichtung.

Gemeinsame Analyse

Nun ist es Zeit, eure Listen zusammenzuführen. Es bietet sich an, parallel visuell und mit einer Liste zu arbeiten. Wenn ihr einen Beamer zur Verfügung habt, könnt ihr kostenlose Online-Tools wie beispielsweise Miro nutzen, um die Stakeholder-Map anzufertigen. Parallel dazu solltet ihr eine Tabelle erstellen, in der ihr die Stakeholder und ihre „Einordnung“ notiert.

Die Spalten der Tabelle könnten sein:

Um wen handelt es sich?

Adresse der jeweiligen Gruppe / Person.

Welchem Sektor würdet ihr ihn/sie zuordnen?

Ist der Stakeholder in eurem Projektgebiet tätig oder eher im weiteren städtischen Umfeld? Ist er darüber hinaus essenziell für die Projektentwicklung?

Bezieht sich auf die Positionierung in den Kreisen der Stakeholder-Map. 1 = „innerer Kreis“: ist unbedingt einzubinden.

2 = „erweiterter Kreis“: ist mindestens zu informieren. 3 = „Projektumfeld: sollte über Fortschritte informiert werden, z. B. über E-Mail-Verteiler.

Wobei könnte die Gruppe / Person euch behilflich sein?

Habt ihr schon eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse o. Ä.?

Wann solltet ihr die Gruppe / Person einbinden?

Ist jemand von euch prädestiniert für die Kontaktaufnahme, eventuell weil er oder sie den Kontakt bereits kennt? Alternativ kann die Kommunikation auch später nach Sektoren gebündelt werden. Hilfreich ist auch festzuhalten, wie informiert werden soll: Über einen Mailverteiler, persönlich, per Telefon, usw.

Stakeholder -> Um wen handelt es sich?
Wo? -> Adresse der jeweiligen Gruppe/Person
Sektor? -> Welchem Sektor würdet ihr in/sie zuordnen?
Quartier, Stadtgesellschaft oder Projektentwicklung? -> Ist der Stakeholder in eurem Projektgebiet tätig oder eher im weiteren städtischen Umfeld? Ist er darüber hinaus essenziell für die Projektentwicklung? 
Thematische Nähe zum Projekt? -> Bezieht sich auf die Positionierung in den Kreisen der Stakeholder-Map. 1 = „innerer Kreis“: ist unbedingt einzubinden. 2 = „erweiterter Kreis“: ist mindestens zu informieren. 3 = „Projektumfeld: sollte über Fortschritte informiert werden, z. B. über E-Mail-Verteiler. 
Wofür? -> Wobei könnte die Gruppe / Person euch behilflich sein?
Ansprechperson? ->  Wobei könnte die Gruppe / Person euch behilflich sein?
Wann einbinden? -> Wann solltet ihr die Gruppe / Person einbinden?
Kontaktaufnahme? -> Ist jemand von euch prädestiniert für die Kontaktaufnahme, eventuell weil er oder sie den Kontakt bereits kennt? Alternativ kann die Kommunikation auch später nach Sektoren gebündelt werden. Hilfreich ist auch festzuhalten, wie informiert werden soll: Über einen Mailverteiler, persönlich, per Telefon, usw. 

Nutzt die grafische Kartendarstellung, um jeden der potenziellen Stakeholder zu diskutieren und für jede:n sichtbar einzuordnen.

Die Tabelle dient als Protokoll, um eure Zuordnungen festzuhalten. Nutzt für die Darstellung in der Stakeholder-Map auch die 

vorgeschlagenen Symbole (Kreis für Nachbarschaft, Quadrat für Stadtgesellschaft und Raute für Projektentwicklung) oder kreiert eigene Symbole. Solltet ihr keine technische Ausstattung zur Verfügung haben, könnt ihr auch einen großen Bogen Papier an die Wand hängen und mit „Namenskarten“ für die Stakeholder arbeiten.

Ihr werdet während der gemeinsamen Diskussion erleben, wie sich die Stakeholder-Map füllt und auch, wie neue Stakeholder, an die ihr in der Vorbereitung nicht gedacht hattet, auftauchen und ihren Platz auf der Liste finden. Denkt aber auch daran, dass ihr euch bei der ersten Betrachtung eurer Liste nicht zu lange mit Akteur:innen aufhalten solltet, deren Funktion ihr (noch) nicht einschätzen könnt. Es ist wichtig, einen stabilen Kern besonders aktiver Partner:innen zu haben und mit diesen zu arbeiten. Bedenkt auch, dass es Multiplikator:innen geben wird, die über euer Projekt berichten, sodass ihr nicht jede:n selbst informiert halten müsst.

Am Ende dieses Vormittags habt ihr ein Stakeholder-Mapping mit allen relevanten Akteur:innen erstellt, die für euer Projekt wichtig sind. Außerdem habt ihr eine Vorstellung darüber gewonnen, in welcher Reihenfolge diese in das Projekt zu integrieren sind. Die Akteur:innen im „inneren Kreis“ solltet ihr am besten direkt in die Ideenentwicklung einbinden (Schritt 5 ). Den erweiterten Projektkreis solltet ihr so berücksichtigen, wie es für euch am besten passt.

Alle Stakeholder solltet ihr spätestens informieren, sobald ihr eure Lösungsidee einem größeren Publikum vorstellen wollt. Trefft euch regelmäßig (z. B. drei Mal im Jahr), um euer Mapping zu aktualisieren. Ihr werdet sehen, dass sich über die Zeit der Projektarbeit der Bezug verschiedener Stakeholder zu eurem Projekt verändert.

Hilfreich kann auch sein, die Verbindung zwischen verschiedenen Akteur:innen durch Linien hervorzuheben. Ihr könnt dann beobachten, wie sich um euer Projekt herum ein Netzwerk bildet. So bekommt ihr ein Gefühl dafür, wann ihr mit wem reden müsst.

Begriffserklärung Multiplikator:in

Das ist jemand, der Informationen oder Wissen an viele andere Menschen weitergibt. Stell dir vor, du lernst etwas Neues und erzählst es dann deinen Freunden und deiner Familie. Diese erzählen es dann wieder anderen. So verbreitet sich die Information immer weiter. Ein:e Multiplikator:in sorgt also dafür, dass viele Leute etwas erfahren, indem er oder sie es anderen erzählt. Das können sowohl gut vernetzte Bürger:innen sein, als auch die Lokalzeitung.

Drei Mitglieder der Gruppe Mobil sein, mobil bleiben

Gerade beim Thema Mobilität gibt es viele unterschiedliche Sichtweisen, die einbezogen werden sollten. Foto: Michaela Sämann

Die Mental Map der Fleiner Straße in Stuttgart Rot hält die Eindrücke fest, die während eines Besuchs besonders im Gedächtnis geblieben sind. HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Lara Joséphine Barnic; David Maihöfer; Steve Oberst Bearbeitung: Pauline Philipp

Es ist wichtig, nicht nur über Stakeholder zu reden, sondern sie einzubinden und mit ihnen zu diskutieren. Foto: Julian Bansen

Nur gemeinsam kann ein Gesamtbild von den verschiedenen Akteur:innen vor Ort entstehen. Foto: Barbara Hefner

Das Stakeholder-Mapping sollte regelmäßig aktualisiert werden, da sich die Beziehung verschiedene Stakeholder zum Projekt im laufe der Zeit verändert. Foto Michael Frisch

 D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

Eine Stadt oder Gemeinde kann die Arbeit der zivilgesellschaftlichen Akteur:innen in zweierlei Hinsicht unterstützen. Einerseits sollten die Verantwortlichen innerhalb der Kommune auf Anfragen aus der Zivilgesellschaft stets antworten, auch wenn die zeitlichen Kapazitäten oft gering sind. Um personelle Kapazitäten zu schonen und trotzdem Anfragen der Bürger:innen zu beantworten, ist es wichtig, die Digitalisierung voranzutreiben. Damit verbessert sich sowohl die Erreichbarkeit für die Bürger:innen (E-Mail, Chat usw.) als auch die Verfügbarkeit digitaler Informationen.

Ganz im Sinne des E-Government Gesetzes (EGovG), das zum Stand der Arbeit an diesem Buch (2023) bereits für Bundesbehörden gilt, sollten es Ziele der Kommune sein:

  • Daten leicht verfügbar zu machen und einfach bereitzustellen,
  • die innovative, gemeinwohlorientierte und verantwortungsvolle Datennutzung zu verbessern, also Daten auch proaktiv zur Verfügung zu stellen,
  • die Datenkompetenz und die Etablierung einer Datenkultur voranzutreiben, um die Qualität und Nutzbarkeit bereitgestellter Daten zu erhöhen.13

Hat eine Kommune eine sogenannte OpenData-Strategie eingeführt und ein entsprechend umfassendes Informationssystem für

ihre Bürger:innen aufgebaut, wird es auch für die Verwaltung einfacher, auf deren Anfragen zu reagieren.

Die Kommune wird sehr wahrscheinlich in den Stakeholder-Maps der Projekte auftauchen. Es bietet sich daher an, eine interne Strategie zu erarbeiten, wie die kommunale Verwaltung sich beteiligen könnte. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass es 

eine Ansprechperson für Bürger:innenbeteiligung gibt, der oder die zunächst als Multiplikator:in in diesen Projekten auftritt.

Er oder sie kann dabei unterstützen, das Projekt bereits in einer frühen Phase zu vernetzen und weitere Ansprechpartner:innen innerhalb der Verwaltung, aber auch in der Bürger:innenschaft zu vermitteln.

In Baden-Württemberg stellt zum Beispiel die Allianz für Beteiligung e. V. auf ihrer Internetseite (allianz-fuer-beteiligung.de) Förderlinien und Unterstützungsmaterial zur Verfügung. Außerdem gibt es Veranstaltungen zum Austausch, zur Vernetzung und zur Quartiersarbeit.