Kapitel 6

Experimente gemeinsam wagen

Ideen mit Leben zu füllen, ist der entscheidende Schritt zwischen Planung und Umsetzung. Gedanken und Ideen bilden die Grundlagen, die es für konkretes Handeln und Gestalten braucht. Visionen sind keine Spinnereien, sondern notwendig, um sie in greifbare Ergebnisse zu verwandeln. Visionen ermöglichen es, nicht in den gleichen Mustern zu verharren, sondern neue Wege zu beschreiten. Die Umsetzung der Ideen erfordert nicht nur, dass sich Menschen engagieren, sondern vor allem auch, dass sie zusammen und gemeinschaftlich handeln. In diesem Schritt beleuchten wir daher, was es braucht, um Ideen gemeinsam zu gestalten und zu verwirklichen.

Kapitel 6

Experimente gemeinsam wagen

Ideen mit Leben zu füllen, ist der entscheidende Schritt zwischen Planung und Umsetzung. Gedanken und Ideen bilden die Grundlagen, die es für konkretes Handeln und Gestalten braucht. Visionen sind keine Spinnereien, sondern notwendig, um sie in greifbare Ergebnisse zu verwandeln. Visionen ermöglichen es, nicht in den gleichen Mustern zu verharren, sondern neue Wege zu beschreiten. Die Umsetzung der Ideen erfordert nicht nur, dass sich Menschen engagieren, sondern vor allem auch, dass sie zusammen und gemeinschaftlich handeln. In diesem Schritt beleuchten wir daher, was es braucht, um Ideen gemeinsam zu gestalten und zu verwirklichen.

A. Kreative Vielfalt

A. Kreative Vielfalt

Auf die Phase der Ideenfindung folgten im Projekt MobiQ mehrere Treffen mit den Arbeitsgruppen, die die besten Ideen in die Tat umsetzen wollten. Von Anfang an haben wir dabei mitgedacht, dass die Projekte keine Eintagsfliegen sein sollten. Sie wurden so konzipiert, dass sie dauerhaft funktionieren und sich nach den Bedürfnissen vor Ort weiterentwickeln ließen. An allen drei Standorten entstanden so mehrere, ganz unterschiedliche Pilotprojekte:

Natürlich gab es rechtliche Bedenken, Zweifel an einer ausreichenden Nachfrage usw., aber wir haben das trotzdem ausprobiert – es wurde eine Erfolgsgeschichte!“

Begriffserklärung Parklet

Das Wort Parklet kommt aus dem Englischen, wo es für „kleiner Park“ steht. Es handelt sich um mobile Stadtmöbel, die entweder vorübergehend oder dauerhaft auf Parkplätzen installiert werden. Diese meist aus Holz gefertigten Einrichtungen sind für alle zugänglich und bestehen oft aus Sitzgelegenheiten, Pflanzen, Beleuchtung, Regenschutz oder Fahrradabstellmöglichkeiten. Durch die Umnutzung von Flächen, die normalerweise für Fahrzeuge vorgesehen sind, bieten die Parklets Raum für verschiedene Aktivitäten wie Aufenthalt, Entspannung oder nachbarschaftliche Begegnungen und erhöhen dadurch die Qualität des öffentlichen Raumes.20

B. Der letzte Schiff

B. Der letzte Schliff

Fasse alle gefundenen und wahrgenommenen Ergebnisse auf der „Schatzkarte“ zusammen. Anschließend gilt es, diese Fakten zu bewerten und einzuordnen, um Stärken und Schwächen der Nachbarschaft aufzudecken. So ist es dir möglich, beispielsweise Lücken beim Mobilitätsangebot, bei Sicherheit oder Versorgung festzustellen. Darüber hinaus kannst du dir ein Bild davon machen, wie sich die Wahl eines Verkehrsmittels für eine bestimmte Strecke auf die Reisedauer und die Reisekosten niederschlägt.

Von Anfang an sind regelmäßige Treffen innerhalb der Projektgruppen wichtig. Um die Zusammenarbeit zu verbessern, könnt ihr feste Runden einführen oder Steuerungsgremien bilden. Das fördert nicht nur das Gefühl, dass alle gemeinsam verantwortlich sind, sondern erlaubt es auch allen Beteiligten, bei wichtigen Entscheidungen mitzureden.22 Offen zu reden und Aufgabenbereiche klar zu definieren, unterstützt eine harmonische Gemeinschaft und schafft eine produktive Arbeitsatmosphäre. Das verbessert die Aussichten auf Erfolg.

Als Nächstes solltet ihr den Aufwand und die Kosten kalkulieren, wobei ihr auch notwendige Anschaffungen berücksichtigen müsst. Eine realistische Budgetplanung ist entscheidend, um finanzielle Ressourcen effizient zu nutzen. Gleichzeitig solltet ihr prüfen, wie euer Projekt finanziell und materiell unterstützt werden kann, z. B. durch öffentliche Fördermittel, Spenden oder Sponsorengelder.23

Eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung spielt der rechtliche Rahmen. Ihr solltet mögliche gesetzliche Hürden so früh wie möglich identifizieren, Haftungsrisiken genau betrachten und Versicherungsfragen klären. Hierbei ist es hilfreich, sich über bestehende Regelungen (z. B. Experimentierklauseln oder Ausnahmegenehmigungen) zu informieren und entsprechende Anforderungen zu erfüllen. Es ist ratsam, dass ihr frühzeitig die notwendigen Anträge bei den zuständigen Ämtern einreicht und Genehmigungen einholt. Eng mit der Verwaltung eurer Stadt oder Gemeinde zusammenzuarbeiten, kann den Umsetzungsprozess erleichtern.24

Im Vorfeld solltet ihr sorgfältig darüber nachdenken, welchen Zeitraum, welche Dauer und welchen Standort ihr für das Mobilitätsexperiment wählt. Diese Entscheidungen hängen nicht nur von den Zielen eurer Projektgruppe und der Art des Vorhabens ab, sondern auch von externen Faktoren wie Wetterbedingungen oder saisonalen Schwankungen. Die zeitliche Beschränkung kann auch damit einhergehen, dass eine spezifische Experimentierklausel verwendet wird, die Vorgaben, etwa zur maximalen Nutzungsdauer, enthält.25 Mehr zum Thema Experimentierklauseln erfahrt ihr im nächsten Schritt 6 C .

Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig, um euer Angebot bekannt zu machen, die Reichweite zu steigern und weitere Unterstützung zu mobilisieren. Wie bereits in Schritt 3 A beschrieben, sind folgende Faktoren zentral für den Erfolg: eine durchdachte Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit und eine gezielte Kommunikation, digital sowie in gedruckter Form (lokale Presse, Webseiten der Kommune, örtlicher Vereine oder Institutionen, Social-Media-Kanäle, Flyer und Plakate). Wenn alle Faktoren berücksichtigt wurden und ein detaillierter Plan vorliegt, könnt ihr euer Testprojekt starten. Dies sollte jedoch nicht der konzeptionelle Endpunkt sein, sondern vielmehr der Beginn eines Projekts, in dem sich die Mobilitätslösung ständig verbessert und weiterentwickelt.

Während des Testlaufs ist es wichtig, den Fortschritt zu überwachen, Meinungen sowie Verbesserungsvorschläge zu sammeln und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen, um das Experiment auf Dauer erfolgreich umzusetzen.

C. Gemeinsam mehr erreichen

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

Die Verwaltungsstellen spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, einen rechtlichen Rahmen für Mobilitätsexperimente festzulegen. Experimentierklauseln geben der Verwaltung oft einen erheblichen Ermessensspielraum, insbesondere wenn es um die Erprobung neuartiger Mobilitätsinnovationen geht.27 Es ist entscheidend, dass Genehmigungsbehörden die vorhandenen, aber möglicherweise noch wenig genutzten Spielräume in vollem Umfang ausschöpfen.28 Dazu müssen die Kommunen über Expertise und Rechtssicherheit verfügen, so etwa zu der Frage: Wie sind die bestehenden oder geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen? Und sie müssen wissen, wie sie Experimentierklauseln und Ausnahmeregelungen optimal nutzen können. Es ist gut, wenn die zuständige Behörde bereits Vorwissen zur Verwaltungspraxis im Genehmigungsfall hat. Diese Erfahrung kann dazu beitragen, euer Projekt effizient umzusetzen, und kommt auch zukünftigen Vorhaben zugute. Die Kompetenz im Umgang mit Experimenten kann den zeitlichen und personellen Aufwand der Behörden erheblich reduzieren.

Für die unterschiedlichen Mobilitätsthemen gibt es in Baden-Württemberg vielfältige Beratungs- und Unterstützungsangebote, wie beispielsweise:

  • KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH
  • Allianz für Beteiligung e. V.
  • NVBW – Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH
  • proBürgerBus Baden-Württemberg e. V.
  • Mitfahrverband e. V.
  • Landesportal aktivmobil BW
  • Kampagne NEUE MOBILITÄT bewegt nachhaltig

Eine Gruppe von engagierten Bürger:innen hat einen ehrenamtlich betriebenen Einkaufshuttle ins Leben gerufen und dafür neue Haltestellen in Geislingen gestaltet. Foto: Michael Frisch

Die Mental Map der Fleiner Straße in Stuttgart Rot hält die Eindrücke fest, die während eines Besuchs besonders im Gedächtnis geblieben sind. HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Lara Joséphine Barnic; David Maihöfer; Steve Oberst Bearbeitung: Pauline Philipp

Dank des gemeinsam genutzten Lastenrads LaWa haben nun alle Einwohner:innen von Waldburg die Gelegenheit, ihre Mobilität zu erweitern. Foto: Svenja Lampert

Die topografischen Besonderheiten von Geislingen sind durch seine Lage im Tal am Rand der Schwäbischen Alb geprägt. Foto: Julian Bansen

Etwa 20 Studierende der HFT arbeitet zusammen mit lokalen Akteur:innen an innovativen Lösungen, wie die Fleiner Straße anders genutzt werden kann. HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Miriam Marx; Carlotta Stuible; Sophia Olivia Wolf