Kapitel 8

Ergebnisse in die Breite tragen

Dieser Schritt zeigt auf, wie ihr eure Ideen oder Projekte bekannt machen könnt, damit andere davon erfahren, insbesondere in eurer eigenen Stadt oder Gemeinde. Es geht darum, andere darüber zu informieren, wie ihr vorgegangen seid, welche Hemmnisse und Erfolgsfaktoren es gab. Ziel ist es, Menschen an anderen Standorten zum Nachahmen zu motivieren.

Kapitel 8

Ergebnisse in die Breite tragen

Dieser Schritt zeigt auf, wie ihr eure Ideen oder Projekte bekannt machen könnt, damit andere davon erfahren, insbesondere in eurer eigenen Stadt oder Gemeinde. Es geht darum, andere darüber zu informieren, wie ihr vorgegangen seid, welche Hemmnisse und Erfolgsfaktoren es gab. Ziel ist es, Menschen an anderen Standorten zum Nachahmen zu motivieren.

A. Sichtbar werden

A. Sichtbar werden

 Im Projekt MobiQ haben wir verschiedene Kommunikationskanäle genutzt, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. In einem Reallabor-Projekt ist das besonders wichtig, denn erfolgreiche Reallabore basieren auf einem starken sozialen Netzwerk, das sie trägt. Es ging beispielsweise darum, Vereine, Verbände, lokale Unternehmen und Aktive im Stadtteil oder in der Gemeinde anzusprechen. Wir nutzten dazu vielfältige analoge und digitale Kommunikationswege. So konnten wir die Menschen erreichen, mit denen wir in MobiQ zusammengearbeitet haben.

Für die wissenschaftliche Kommunikation wählten wir andere Wege. Wissenschaftliche Fragestellungen wurden mit Kolleg:innen aus der Reallabor-Forschung oder auf Konferenzen erörtert und in Fachkreisen veröffentlicht.

Sehr wichtig war es, ein MobiQ-Markenzeichen mit Wiedererkennungswert zu entwickeln. Die Startseite der Webseite (reallabor-mobiq.de) war dabei entscheidend. Sie diente von Anfang an als erster Anlauf- und Kontaktpunkt, informierte über die Ausgangslage, Ziele, Methoden und vor allem über Neuigkeiten aus den Projekten. Um das Q herum entwickelten wir eine klare Bildsprache, damit MobiQ schnell und eindeutig erkannt wird. Außerdem ist die Seite variabel aufgebaut und lässt sich jederzeit erweitern. Alle projektbezogenen Veröffentlichungen können hier abgerufen werden. Die MobiQ-Webseite ist eine Art „Arbeitsraum“, der die Offenheit des Projekts gewährleistet.

Unsere digitale Kommunikationsstrategie umfasste auch Social-Media-Kanäle. So war es einfach, uns zu erreichen. Facebook, Instagram und LinkedIn bespielten wir zu Beginn noch relativ unsystematisch mit individuellen Beiträgen. Da das recht aufwendig war, entwarfen wir später nur noch für Instagram Posts, die wir auch auf Facebook schalteten. Dadurch konnte die Reichweite zwar auf Facebook nie wirklich gesteigert werden, der Instagram-Kanal ist aber durchaus erfolgreich. LinkedIn nutzen wir für Nachrichten, die sich an ein professionelles Publikum wenden. Die Grafiksprache von MobiQ verwendeten wir auch für Flugblätter und Plakate. Wichtig war es uns, eng mit Multiplikator:innen, also gut vernetzten Bürger:innen, zusammenzuarbeiten, um Neuigkeiten zu verbreiten. Auch Artikel in der Lokalzeitung und amtlichen Mitteilungsblättern waren Bestandteil unseres Kommunikationskonzepts.

Das Q ist das zentrale Wiedererkennungsmerkmal von MobiQ. Es dient als Brücke zwischen der digitalen und analogen Präsenz. Als Blick- und Ideenfänger bauten wir den Buchstaben in großem Maßstab aus Holz und stellten ihn gut sichtbar im öffentlichen Raum auf, z. B. bei unserem „Pop-up Stand“ oder im Rahmen der partizipativen Reallabor-Experimente vor Ort. Das Q zog die Blicke auf sich, weckte Interesse und eröffnete gleichzeitig den Dialog. Die Funktion des Ideenfängers als niederschwellige Möglichkeit zur Kontaktaufnahme hat sich bewährt. So können Menschen, die nicht diskutieren möchten, trotzdem Fragen beantworten, wie z. B.: „Wie möchte ich mich nachhaltig durch das Quartier bewegen?“

B. Wohlüberlegt vorgehen

B.  Wohlüberlegt vorgehen

Eine wichtige Erfahrung war, dass es an jedem Ort bewährte, funktionierende Kommunikationskanäle gibt. Das kann an einem Ort das kostenlos verteilte Amtsblatt sein, an anderen Orten die Lokalzeitung oder eine Person, die besonders breit vernetzt ist und dies auch nutzt.

Soziale Medien sind ebenfalls wichtig, um Aufmerksamkeit zu wecken. Hier sollte man jedoch selektiv vorgehen. Je nach Zielgruppe empfiehlt sich eine andere Plattform und es kommen kontinuierlich neue hinzu. Auch unterscheidet sich der redaktionelle Aufwand immens zwischen den verschiedenen Plattformen. So ist ein 140-Zeichen-Tweet auf X schneller gepostet, als ein Video für Youtube erstellt werden kann. Man sollte sich also gut überlegen, wen man erreichen kann und welchen Inhalt man realistischerweise posten sollte. Wer eine Mischung aus Bildern, kurzen Videos und Texten an ein Publikum vor Ort verbreiten möchte, kann dies relativ gezielt über Instagram und Facebook tun. Hier erreicht man am ehesten ein sehr gemischtes Publikum, während die Nutzer:innen von Apps wie TikTok und Snapchat eher jünger sind.29

Weniger gut funktionieren anonym verteilte Broschüren und Flugblätter. Diesen Kanal sollte man unbedingt mit einer persönlichen Präsenz verbinden. Flyer können beispielsweise als Handreichung an einem Informationsstand auf dem Marktplatz verteilt werden.

C. Projekte groß rausbringen

C. Projekte groß rausbringen

Um Interessierte auf dem Laufenden zu halten, solltet ihr euch frühzeitig Gedanken über ein Kommunikationskonzept machen. Das sollte im Idealfall nach der in Schritt 4 beschriebenen Netzwerkbetrachtung erfolgen. Hier habt ihr eventuell bereits wichtige Akteur:innen identifiziert, die für die Kommunikation hilfreich sein können.

Ein Kommunikationskonzept zu skizzieren, ist nicht schwierig, ihr solltet aber die folgenden Punkte beachten:

Ihr habt eine Initiative (Idee, Projekt) gegründet und ihr wisst genau, was ihr erreichen wollt. Aber die Ziele der Initiative und die Ziele der Kommunikation sind nicht unbedingt deckungsgleich.

Folgende Fragen sind zu klären:

  • Wer soll informiert werden?
  • Worüber soll überhaupt informiert werden?
  • Was soll über die Kommunikation erreicht werden

In Schritt 4 habt ihr eine Karte der Akteur:innen vor Ort (Stakeholder-Map) erstellt. Hier habt ihr festgelegt, wen ihr einbinden und wen ihr informieren wollt. Personen, die informiert werden sollen, sind die Zielgruppen eurer Kommunikation. Versucht euch in diese Zielgruppen hineinzuversetzen und überlegt, über welche Kanäle ihr diese Menschen erreichen könnt. Hilfreich könnte es sein, für die Zielgruppen Personas heranzuziehen (siehe Schritt 2 ). Haltet eure Gedanken zu den Zielgruppen und ihrem Informationsverhalten auf jeden Fall schriftlich fest.

Ihr wisst nun, über welche Kanäle ihr am besten kommuniziert. Jetzt könnt ihr entscheiden, ob ihr die jeweiligen Zielgruppen eher textbasiert (Lokalzeitungen, Amtsblätter) oder bildbasiert (soziale Medien) ansprecht. Auf dieser Basis legt ihr anschließend eure Kernbotschaften fest. Hierfür solltet ihr einige (3–5) Kernbotschaften formulieren, die zu euren Projektzielen passen und die sich in verschiedenen Variationen verwenden lassen.

Die inhaltlichen Rahmenbedingungen stehen nun, ihr müsst aber auch die Zeitachse beachten. Stellt einen Plan auf, wann ihr was kommuniziert. Tragt in diesen Terminplan zuerst öffentliche Termine ein, die in eurem Projektgebiet stattfinden, und versucht eure Inhalte darauf abzustimmen. Öffentlichkeitsarbeit braucht Zeit. Achtet darauf, dass ihr gezielt verschiedene Kanäle bespielt, übertreibt es aber zu Beginn nicht. Ihr müsst nicht jede Woche auf jedem Kanal präsent sein. Überlegt auch, ob ihr bei manchen Veranstaltungen vor Ort sein solltet und plant entsprechend.

Wichtig ist außerdem, Verantwortlichkeiten festzulegen. Wer schreibt welchen Beitrag? Wer ist dafür verantwortlich, Informationen nach außen weiterzugeben? Wer ist die Ansprechperson für Presseanfragen oder Rückmeldungen? Legt dies so früh wie möglich fest und dokumentiert es.

Es ist entscheidend, die Außenkommunikation wiedererkennbar zu gestalten. Das heißt, jeder Post und jede Anzeige in der Lokalzeitung oder im Amtsblatt sollte ähnlich aufgebaut sein. Natürlich werdet ihr dies über die Zeit etwas verändern und das muss auch so sein. Achtet nur darauf, dass dies nicht zu radikal passiert. Erstellt am besten ein „Kommunikationstagebuch“, um „Brüche“ in der Art der Kommunikation zu vermeiden. Darin dokumentiert ihr, wer wann was veröffentlicht hat, sei es digital oder in gedruckter Form. Auch Zeitungsartikel, in denen über euch berichtet wird, solltet ihr sammeln und aufbewahren.

Außerdem solltet ihr euch mindestens einmal alle vier Monate treffen und das Vorgehen, wie oben beschrieben, absprechen. So könnt ihr auf aktuelle Geschehnisse und Veränderungen in eurer Stadt oder Gemeinde reagieren und die Kommunikationsstrategie anpassen.

Stell dir vor, du liest etwas Interessantes über eine neue Bürger:inneninitiative und würdest gerne mehr darüber erfahren oder du möchtest dich sogar einbringen. Leider fehlt jedoch in der interessanten Anzeige im Amtsblatt oder auf Instagram der Hinweis, wo du dich melden kannst. Also legst du das Amtsblatt oder dein Smartphone zur Seite und tust nichts! Um das zu vermeiden, ist es wichtig, immer eine Kontaktmöglichkeit anzubieten. Am besten erstellt ihr dafür eine E-Mail-Adresse. Noch unkomplizierter ist es, eine Telefonnummer bereitzustellen. Verständlicherweise möchten aber nur die wenigsten Menschen ihre Privatnummer veröffentlichen. Abhilfe kann hier ein Prepaid-Tarif in Kombination mit einem Smartphone schaffen, wenn Geld dafür vorhanden ist. Prepaid-Karten gibt es bereits für unter 10 €/Monat bei allen Discountern.

Wichtig ist, dass ihr auch den Rücklauf dokumentiert: Wer hat sich wann auf Basis welches Kommunikationskanals bei euch gemeldet? Auf diese Weise lernt ihr mit der Zeit, welcher Kanal funktioniert und welcher eher nicht, und könnt euch die Zeit sparen, Inhalte zu kreieren, die nur wenig wahrgenommen werden. Außerdem erweitert sich so schrittweise euer Netzwerk um weitere Kontakte.

Der Pop-up-Stand wurde modular konstruiert, um sich flexibel an verschiedene Einsatzorte anzupassen, wie hier bei der Bundesgartenschau in Mannheim 2023. Foto: Barbara Hefner

Die Mental Map der Fleiner Straße in Stuttgart Rot hält die Eindrücke fest, die während eines Besuchs besonders im Gedächtnis geblieben sind. HFT_Labor Experimenteller Stadtraum_Sommersemester_2023 Studierende: Lara Joséphine Barnic; David Maihöfer; Steve Oberst Bearbeitung: Pauline Philipp

Unser Pop-up-Stand wurde erstmals in der Innenstadt von Geislingen präsentiert und erhielt viele positive Rückmeldungen. Foto: Julian Bansen

Das zentrale Erkennungszeichen von MobiQ ist das Q, das als großes Holzobjekt gebaut wurde. Das Q wurde gut sichtbar im öffentlichen Raum platziert, um Aufmerksamkeit zu erregen und Ideen zu sammeln. Fotos: Julian Bansen und Barbara Hefner

Auch beim Wochenmarkt auf dem Hans-ScharounPlatz in Stuttgart-Rot kam der MobiQ-Stand zum Einsatz, um mit den Bürger:innen ins Gespräch zu kommen. Foto: Barbara Hefner

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

D. Die Rolle der Stadt oder Gemeinde

Die Kommune kann euch über ihren Ehrenamtskoordinator oder ihre Ehrenamtskoordinatorin unterstützen. Die kommunale Verwaltung weiß zudem, welche Kanäle zur Kommunikation und Vernetzung innerhalb des Stadt- oder Gemeindegebiets am besten geeignet sind. Sie kann Bürger:inneninitiativen bei der Kommunikation beraten und unterstützen, wenn es darum geht, Flyer zu verteilen oder Plakate aufzuhängen. Oft gibt die Kommune ein Amtsblatt heraus. Darin kann sie Gruppen und Initiativen Platz für Veröffentlichungen einräumen, die kostenfrei sind.

Unterstützung bei der Kommunikation kann aber auch bedeuten, dass die Kommune aktiv bestimmte Projekte öffentlich befürwortet. Öffentlichkeitswirksame Persönlichkeiten aus der Verwaltung oder Stadtpolitik können sich positiv zu ausgewählten Projekten äußern. Bürgermeister:innen oder Marketingbeauftragte, die bestimmte Projekte öffentlich unterstützen, sind ein starkes Signal. Sie können Gruppen mit Potenzial sehr helfen, ohne dass damit eine finanzielle Verantwortung für die Kommune verbunden ist.

Die eigentliche Baustelle ist die Kommunikation zum Mobilitätsbewusstsein, um Menschen dafür zu öffnen, ihren persönlichen Raum oder ihr Fahrzeug zu teilen.“